500. Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Osterholz

Den Geist der Reformation mit allen Sinnen erlebt

Abschlussfest zum Reformationsjubiläum begeisterte die Festgäste in der Stadthalle 

Von Roland Hofer

Zum Schluss, nach rund drei Stunden, hält es die Gäste nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie rufen „Bravo“, klatschten lautstark Beifall für das gelungene Programm der rund 200 Mitwirkenden in der gut gefüllten Stadthalle von Osterholz-Scharmbeck. Die Abschlussfeier zum 500. Jubiläumsjahr der Reformation ist die Krönung eines lebendigen und aktionsreichen Festjahres im Ev.-luth. Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck und seinen 16 Gemeinden. Und der Festabend am Reformationstag ein gelungenes Symbol für das Engagement aller Beteiligten.

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders, und ich freue mich, dass sie alle da sind“, eröffnete Superintendentin Jutta Rühlemann das Festprogramm und bedankte sich bei allen Mitwirkenden. Mehr als 800 Gäste aus Kirche und Diakonie, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft füllten den Saal und die Tribüne. Das Fest, so Rühlemann, sei nicht nur der Abschluss eines Jubiläumsjahres mit rund 150 tollen Veranstaltungen von Kirchenkreis und Kirchengemeinden – vom Luthermahl über den Glaubenskurs bis zur Bürgerkanzel und dem ökumenischen Gottesdienst. „Das Fest ist auch der Auftakt für unsere Kirche, die in Verantwortung steht für diese Welt und hoffnungsvoll in die Zukunft geht – mit starken Erfahrungen und einem breiten Engagement für das Gemeinwohl“.

Landrat Bernd Lütjen betonte in seinem Grußwort, dass die Reformation seit 1517 nicht nur die Kirche, sondern die ganze Gesellschaft erfasst und verändert habe. „Die Reformation geht uns alle an und betrifft uns in allen Lebensbereichen“, sagte Lütjen. „Lassen Sie uns daher gemeinsam und dauerhaft die Gedanken der Reformation am Leben erhalten“, rief er den Gästen in der Stadthalle zu. Der Landrat zeigte sich beeindruckt von den rund 140 Sängerinnen und Sängern und dem 50-köpfigen Orchester, die auf der Bühne ihren Einsatz erwarteten.

Caroline Schneider-Kuhn, die Kirchenkreiskantorin, hatte mit dem Gemeinschafts-Chor und dem Orchester unter Beteiligung der Posaunenchöre im Kirchenkreis bereits Monate lang den Einsatz geprobt. Doch wie würde die Uraufführung des Oratoriums des Berliner Kantors Michael Schütz mit dem Titel „Die Zeit des Redens“ beim Publikum ankommen? Die Gäste lauschten gespannt den wechselnden Einsätzen von Chor und Orchester, hörten Liedtexte Luthers, die schwungvoll arrangiert und mit modernen Melodien unterlegt waren, und auch Elemente von Soul und Jazz integrierten. Der Schauspieler Harald Maack, auch Anderland-Botschafter der Diakonie, übernahm den Sprecherpart im Oratorium und rezitierte Luthertexte. Astrid Schütz überzeugte als Gesangssolistin, Christian Janssen am Saxophon mit jazzigen Einlagen – alle unter dem engagierten und professionellen Dirigat von Caroline Schneider-Kuhn, die Chor und Musiker zu einem harmonischen und ausdrucksstarken Klangkörper formte. Zur Begeisterung von Publikum und Mitwirkenden, die ihr kräftigen Applaus spendeten.

In der Pause hatten Gäste und Mitwirkende ausgiebig Zeit, weitere Facetten der Reformation und die Ergebnisse von Jubiläumsaktionen kennen zu lernen und sich auszutauschen. Schnell formierten sich Gesprächsgrüppchen an den Stehtischen, versorgten die Helferteams an den Theken die Gäste mit Häppchen, Wein und Saft oder flanierten die Festgäste durch die diversen Ausstellungen im Foyer. Stellwände präsentierten moderne Thesen in Lutherart, Kinderzeichnungen, Motivkarten mit Lieblingssprüchen, Tätigkeitsfelder der Diakonie und Ankündigungen der kommenden Kirchenvorstandswahl. Gefragt waren Selfies oder Gruppenbilder mit dem imposanten Playmo-Luther oder die Info-Theke mit kostenfreien Motivkarten, Kalendern und Info-Flyern. Auch hier spiegelte die Vielfalt der Themen, Aktionen und Erlebnisräume das Engagement und den Ideenreichtum des Jubiläumsjahres.

„Was hat Ihnen das Jubiläumsjahr an besonderen Erlebnissen beschert, was hat Sie beeindruckt“, fragte Katharina Witte nach der Pause in die Hallenrunde. Auf der Bühne wartete ihr Bremer Ensemble des Playback-Theaters derweil gespannt auf Erzählmotive, um sie spontan und phantasievoll in Worte und Bewegungsbilder umzusetzen. Ulrike Gerken (Kirchtimke) zeigte sich gerührt, dass sie die Uraufführung des Oratoriums mitgestalten konnte und als Sängerin „Teil des Ganzen sein durfte“. Die Luthernacht in St. Willhadi hat Stefanie Nass (Osterholz-Scharmbeck) stark beeindruckt. Sie erlebte das Arrangement von Film, Musical, Lutheressen und Konzert als großes Geschenk. „Die ganze Bandbreite von Gefühlen im kirchlichen Raum, das war ein unvergleichliches Erlebnis. Seitdem bin ich mit Kirche ganz anders verbunden“, sagte sie. Auch Pastor Stephan Dreytza (Osterholz-Scharmbeck) fühlt sich beschenkt: durch einen Laptop und ein I-Phone, die er unverhofft erhielt, um beide für den Deutschunterricht eines nahen Menschen einsetzen zu können. „Das ist Gnade pur und eine echte Freude“. Und Pastor Albrecht Benz (Teufelsmoor) hat das Gelingen beruflicher Treffen und gemeinsamer Projekte als Geschenk und Gnadengabe im besten reformatorischen Sinne kennen gelernt. „Vieles, was gelingt, machen nicht wir, schaffen nicht wir durch Anstrengung und Leistung, sondern ist Gottes Werk“, ist er überzeugt. Ein Paar hatte die Lacher auf seiner Seite, als es bekannte, dass „wir zu Kirche hingehen, wenn was los ist, am liebsten wenn es Schnittchen gibt. Wenn es zu fromm wird, werden wir richtig widerständig“. Und Ensemble-Leiterin Katharina Witte spontan: „Sie sehen, Kirche kann auch Spaß machen“.

In eindrücklichen Szenen und Formationen, vom Freudentanz über das Dankeslied bis zur eng umschlungenen Gemeinschaft, bewegten die  Schauspieler ihr Publikum zum Staunen und Lachen und genossen den begeisterten Beifall der Gäste.