Für heute vom 23. September 2017

Losung

Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Psalm 8,5

Lehrtext

In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade.

Epheser 1,4-6

Aktuelle Woche

Kirchliche Woche

Sonntag, 17. September 2017 bis Samstag, 23. September 2017

Wochenspruch

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Ps 103, 2)

Feiertag

14. Sonntag nach Trinitatis

Erklärung

Danken ist das Stichwort für den 14. Sonntag nach Trinitatis. Ein Flüchtiger errichtet eine Gedenkstätte, weil Gott ihm Nähe und Schutz versprochen hat, so die Lesung aus der hebräischen Bibel. Einer von zehn Männern kehrt um und dankt Jesus für seine Heilung, erzählt das Evangelium. Und als Grundlage für die Predigt dient ein Abschnitt aus den Briefen des Apostels Paulus, der für das Engagement der kleinen Gemeinde von Thessaloniki dankt. 

Thema

Kinder Gottes

Mk 1, 40-45

40 Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein! 42 Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. 43 Und Jesus bedrohte ihn und trieb ihn alsbald von sich 44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.
45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; und sie kamen zu ihm von allen Enden.

Andacht der Woche

Mein Dienst im  „Erlebnisraum Taufe“ in Wittenberg klingt noch nach. Nicht nur die Besucher*innen, auch wir Diensthabende haben dort Unterschiedliches erlebt. Oft denke ich an den älteren Herrn, der aus dem Filmraum kommend in Sekundenschnelle am Taufbecken (und mir) vorbei gehuscht war, dann aber zehn Minuten später überraschend durch den hinteren Eingang erneut eintrat. „Meine Frau hat gesagt, ich hätte das Beste verpasst, ein persönliches Wort und einen Segen am Taufbecken. Jetzt komme ich nochmal zurück. Das will ich doch nicht verpassen! “ erklärte er schmunzelnd. „Wie gut, dass die beiden darüber gesprochen haben, “ denke  ich, Werbung für die Sache des Evangeliums können wir gebrauchen. Am anderen Tag jedoch erleben wir einen Besucherandrang und in uns zuweilen ganz andere Reaktionen: schließlich wollen wir keine „Segensroboter“ werden (so hieß das umstrittene Angebot bei der Lichtkirche), die ohne persönlichen Kontakt die Botschaft verschleudern. Vermittlung eines heilsamen Rituals braucht Kraft und Aufmerksamkeit, sonst stellt sich Ermüdung ein.

Jesus weiß genau, warum er sich die Leute vom Leib halten will. Massenheilungen sieht er nicht als Ziel und Auftrag seiner Verkündigung an. Er ist froh über die Frage des Aussätzigen: „Willst du mich heilen?“  Der Bittsteller zeigt in dieser Frage ein tiefes Wissen: Nicht nur gesund werden, auch gesund machen erfordert den klaren Willen der Beteiligten. Die Handlung erfordert Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich der Beziehung zu öffnen.

Die Frage des Kranken eröffnet für Jesus grundsätzlich auch die Möglichkeit „Nein“ zu sagen und eigene Grenzen zu respektieren. Ein „Nein“ hat der Kranke vermutlich geradezu erwartet: schließlich war er als „kultisch unrein“ geltender Aussätziger sozialen  Ausschluss und Berührungsängste gewohnt. Aufmerksam lese ich (V. 43), dass Jesus die kultische Grenze zwar überraschend durchbricht, andererseits aber den geheilten Menschen schnell wieder loswerden will. So, als bereue er, die körperliche Nähe zugelassen zu haben. In diesem Duktus bittet er ihn, die Verschwiegenheitsgrenze zu wahren und lediglich in der üblichen Weise im Tempel seinen Dank auszudrücken.

Das Schweigegebot wirkt jedoch wie eine paradoxe Intervention: sie bewirkt das Gegenteil, die Leute kommen in Scharen. Jesus kann den Ansturm nicht bewältigen und muss sich an einsame Orte zurückziehen.  Das, was er am meisten befürchtete, ist eingetreten. Dieses und die weiteren Schweigegebote in den Evangelien geben Rätsel auf. Offenbar aber will Jesus nicht Heilung verschleudern, nicht von Schaulustigen neugierig bestaunt werden. Seine Messianität soll verstanden werden im Licht von Kreuz und Auferstehung. Billiger und einfacher ist es nicht zu haben. Schließlich liegt das Heil nicht auf der Straße. Oder?

Bettina Rehbein, Theologische Referentin im Frauenwerk , Haus kirchlicher Dienste

Liturgische Farbe

Liturgische Farbe Grün - Bild von Erich Grün

Grün als Farbe der erwachenden und lebenden Natur bestimmt die Sonntage nach Epiphanias bis zur Passionszeit und die Sonntage nach Trinitatis.

Bild: Sammlung Erich Grün                 

© Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

Text: Grethlein, C./Ruddat, G.: Liturgisches Kompendium

Quelle Losungen: Herrnhuter Losungen Losungen

Moment Mal

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Erfahrungen des menschlichen Alltags, aus dem Glauben gedeutet - Eine Reihe zum kurzen Innehalten im schnellen Lauf der Zeit - Autorin: Sabiene Simon.

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Morgenandacht

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Reformatorische Frauen haben durch die Jahrhunderte hindurch keine Ruhe gegeben und so Kirche und Gesellschaft verändert. Susanne Sengstock stellt einige vor.

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Wochenlied

Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)

Gedenktage in dieser Woche

Mein Dienst im  „Erlebnisraum Taufe“ in Wittenberg klingt noch nach. Nicht nur die Besucher*innen, auch wir Diensthabende haben dort Unterschiedliches erlebt. Oft denke ich an den älteren Herrn, der aus dem Filmraum kommend in Sekundenschnelle am Taufbecken (und mir) vorbei gehuscht war, dann aber zehn Minuten später überraschend durch den hinteren Eingang erneut eintrat. „Meine Frau hat gesagt, ich hätte das Beste verpasst, ein persönliches Wort und einen Segen am Taufbecken. Jetzt komme ich nochmal zurück. Das will ich doch nicht verpassen! “ erklärte er schmunzelnd. „Wie gut, dass die beiden darüber gesprochen haben, “ denke  ich, Werbung für die Sache des Evangeliums können wir gebrauchen. Am anderen Tag jedoch erleben wir einen Besucherandrang und in uns zuweilen ganz andere Reaktionen: schließlich wollen wir keine „Segensroboter“ werden (so hieß das umstrittene Angebot bei der Lichtkirche), die ohne persönlichen Kontakt die Botschaft verschleudern. Vermittlung eines heilsamen Rituals braucht Kraft und Aufmerksamkeit, sonst stellt sich Ermüdung ein.

Jesus weiß genau, warum er sich die Leute vom Leib halten will. Massenheilungen sieht er nicht als Ziel und Auftrag seiner Verkündigung an. Er ist froh über die Frage des Aussätzigen: „Willst du mich heilen?“  Der Bittsteller zeigt in dieser Frage ein tiefes Wissen: Nicht nur gesund werden, auch gesund machen erfordert den klaren Willen der Beteiligten. Die Handlung erfordert Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich der Beziehung zu öffnen.

Die Frage des Kranken eröffnet für Jesus grundsätzlich auch die Möglichkeit „Nein“ zu sagen und eigene Grenzen zu respektieren. Ein „Nein“ hat der Kranke vermutlich geradezu erwartet: schließlich war er als „kultisch unrein“ geltender Aussätziger sozialen  Ausschluss und Berührungsängste gewohnt. Aufmerksam lese ich (V. 43), dass Jesus die kultische Grenze zwar überraschend durchbricht, andererseits aber den geheilten Menschen schnell wieder loswerden will. So, als bereue er, die körperliche Nähe zugelassen zu haben. In diesem Duktus bittet er ihn, die Verschwiegenheitsgrenze zu wahren und lediglich in der üblichen Weise im Tempel seinen Dank auszudrücken.

Das Schweigegebot wirkt jedoch wie eine paradoxe Intervention: sie bewirkt das Gegenteil, die Leute kommen in Scharen. Jesus kann den Ansturm nicht bewältigen und muss sich an einsame Orte zurückziehen.  Das, was er am meisten befürchtete, ist eingetreten. Dieses und die weiteren Schweigegebote in den Evangelien geben Rätsel auf. Offenbar aber will Jesus nicht Heilung verschleudern, nicht von Schaulustigen neugierig bestaunt werden. Seine Messianität soll verstanden werden im Licht von Kreuz und Auferstehung. Billiger und einfacher ist es nicht zu haben. Schließlich liegt das Heil nicht auf der Straße. Oder?

Bettina Rehbein, Theologische Referentin im Frauenwerk , Haus kirchlicher Dienste