Aus der Presse

Osterholzer Kreisblatt - 16.02.2017

„Ich bin so frei“ im Reformationsjahr

Evangelische Gemeinde Worpswede schreibt überregionalen Kunst-Wettbewerb für die Zionskirche aus

Worpswede. Mit der Blumenmalerei von Paula Modersohn-Becker und den Engelsköpfen der Bildhauerin Clara Westhoff schufen um 1900 erstmals zwei Künstlerinnen – nicht ganz freiwillig – Werke für die Zionskirche. Sie hatten nur zum Spaß die Glocken geläutet, wofür man ihnen dies als Strafarbeit auferlegte. Ganz frei entfalten dürfen sich Künstler in der Zionskirche jetzt aus Anlass des Reformationsjahres. Unter dem Titel „Ich bin so frei“ schreibt die Kirchengemeinde einen überregionalen Wettbewerb für ein temporäres Kunstwerk aus. Dabei wird das Thema „Freiheit“ als Element des christlichen Glaubens und Lebens gesehen.

Der Idee war, im Zusammenhang mit Veranstaltungen zum 500. Jahrestag der Reformation auch die Kunst einzubeziehen, erklären der Kirchenvorsteher Detlef Schobeß und Pastor Kurt Liedtke ihr Projekt. Sie wünschen sich, dass der Kirchenraum wahrgenommen und bespielt wird. Dabei ist ihnen der Dialog zwischen der zeitgenössischen Kunst und der Kirche sowie der Öffentlichkeit ein wichtiges Anliegen.

Möglich wurde die Ausschreibung des Wettbewerbs durch die Förderung des Kulturkirchenfonds der Hanns-Lilje-Stiftung sowie der hannoverschen Landeskirche. Das Preisgeld beträgt 5000 Euro und schließt Kosten für Material, Reise und Transport sowie Auf- und Abbau ein. Die Organisatoren freuen sich über die Kooperation mit den Worpsweder Künstlerhäusern, die für die Zeit des Auf- und Abbaus eine Unterbringung in einem der Martin-Kausche-Ateliers zur Verfügung stellen.

„Freiheit“, so Pastor Liedtke, „ist ein grundlegendes Thema christlichen Glaubens und Lebens.“ Auch wenn die Geschichte der Kirchen mehr von Bevormundung und auch von Unterdrückung als von Freiheit bestimmt sei. „Dabei ist bereits in der hebräischen Bibel die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten ein grundlegendes Thema“, so Pastor Liedtke. In dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinden in Galatien heißt es: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit...“ Auch gelten, so Liedtke, die zehn Gebote dazu, eine gewisse Freiheit zu bewahren. Schließlich schrieb Luther drei Jahre, nachdem er die Thesen veröffentlichte, seine programmatische Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Darin formuliere er paradox: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Jetzt sei man gespannt, wie die Künstler den Begriff der Freiheit in eine! m Werk in Bezug auf den Kirchenraum umsetzen, so Schobeß. Der erste Preis wird zur Realisierung beauftragt werden, wobei Tim Voss, der künstlerische Leiter der Künstlerhäuser Worpswede, den Aufbau begleiten wird. Die Vernissage ist für den 6. August geplant. Gleichzeitig wird ein entsprechendes Begleitprogramm entwickelt.

Bis 20. März Konzepte einreichen

Die Teilnahme ist für professionelle Künstler aller Sparten möglich. Bis zum 20. März kann ein Konzept eingereicht werden. Die Auswahl des ersten Preises trifft eine Jury, die aus folgenden Mitgliedern besteht: Bettina von Dziembowski, künstlerische Leiterin des Springhornhofes Neuenkirchen, dem freien Kurator Frank Laukötter, Professor Ingo Vetter von der Bremer Hochschule für Künste sowie Pastor Kurt Liedtke. Weitere Informationen sowie die Bewerbungsunterlagen sind unter der Adresse www.kunstwettbewerb.zionskirche-worpswede.de zu finden.

500 Jahre Reformation

1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen gegen den Ablasshandel – Auslöser der Reformation. Deutschlandweit wird an das Reformationsjubiläum mit Veranstaltungen erinnert.