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28.05.2009
Bericht zum Torfkahn-Gottesdienst des Kirchenkreises auf dem Kirchentag
Aus dem Osterholzer Kreisblatt:

Über 1000 Zuschauer säumten den Hafen

Gelungener Gottesdienst am letzten Tag des Kirchentages in Bremen / Motto: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Von Gerd Schwieger.

Landkreis. Der Findorff-Hafen am letzten Nachmittag des Kirchentages in Bremen. Torfkähne ziehen ein: Sie kommen aus Adolphsdorf, Osterholz-Scharmbeck, aus dem Landkreis. In den Booten Männer und Frauen in den landestypischen Trachten von damals. Ein Gast von außerhalb fragt verwundert: „Trugen die damals Holzschuhe im Moor?“ Ja, sie taten es. Andere Schuhe gab es nicht. Auf den Booten Körbe mit Proviant und Stapel von Torfsoden.

Über 1000 Zuschauer säumen den Hafen. Der Hamme-Shanty-Chor vom Segel-Club aus Osterholz-Scharmbeck unterhält sie vor dem Gottesdienst mit kraftvoll vorgetragenen seemännischen Liedern.

Die braunen Segel der Torfkähne werden gesetzt. Dann fährt der Torfkahn mit Pastorin Jutta Rühlemann und dem Moorkommissar Findorff (Matthias Mahnke) ein. Der Gottesdienst kann beginnen. Er steht unter dem Jesus-Wort: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Musikalisch wird er umrahmt vom Posaunenchor des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck, geleitet von Caroline Schneider-Kuhn, und mit Liedern der Brüdern Jehn aus Worpswede.

Der Bogen spannt sich von den Zeiten der Kolonisierung und Kultivierung des Teufelsmoores bis zur Gegenwart: Was war das Moor, wie ist es zu dem geworden, was es heute ist? Wie lebten die Menschen damals, wie geht es ihnen heute? Wie sieht die Zukunft des Moors aus?

Moderiert von Pastor Lüder Möhring treten – auf die Torfkähne verteilt – historische und gegenwärtige Menschen aus dem Moor auf. Einer der ersten Kolonisten: Jan Torf (Christian Land). Er beschreibt, wie schwer der Anfang war: „Den Eersten sein Dood. Den Tweeten sein Not. Den Drütten sein Brod.“ Doch da war ein Traum: Freier Bauer auf eigenem Grund zu sein. Da war der Glaube an Gott und ein besseres Leben. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Er braucht auch Hoffnung im Glauben.

Nicht alle hielten dieses Leben aus: Die Auswanderin Klara Hoppe (Kerstin Tönjes) macht es deutlich: „Nur raus aus diesem Loch. Nach Amerika! Ins gelobte Land." Auf der Suche nach Brot und Leben, geleitet von festem Gottvertrauen.

Pastorin Rühlemann knüpft in ihrer Predigt an die Vergangenheit an und stellt den Bezug zur Gegenwart her. Mühsam hätten die Menschen damals dem Moor ihr Brot abgerungen. 150 Jahre habe es gedauert, bis aus einem öden Landstrich eine lebenswerte Gegend wurde. Heute könne man hier auskömmlich leben. Millionen Menschen in unserer Welt dagegen müssten diesen Kampf ums Überleben Tag für Tag führen: „Statt Brot nur Steine!"

Rühlemann appelliert an die Verantwortung jedes Einzelnen, wenn es darum gehe, Not zu beseitigen und Brot gerecht zu verteilen. Es sei zu einfach, die Frage an Gott zu richten „Warum tust Du nichts dagegen?“ Vielmehr richte sich die Frage an jeden von uns: „Was können wir tun?" Wichtig sei dabei die Hoffnung im Glauben, dass sich die Verhältnisse zum Besseren wenden und jeder von uns etwas dazu beitragen könne, getragen von der Verantwortung der göttlichen Botschaft, gelebt als soziale Verpflichtung.

Von diesem Gedanken habe sich seinerzeit auch der hannoversche Amtmann Jürgen Christian Findorff leiten lassen. Er habe mehr gesehen als die harte Arbeit im Moor, den täglichen Kampf ums Brot. Orte des Glaubens habe er schaffen wollen: Kirchen im Moor als Zeichen der Hilfe Gottes für den Menschen. Die Kirche zu den Menschen bringen.

Damals: Kirchen im Moor bauen. Heute „Kirche im Grünen“, das Sommer-Programm des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck. Die Pastorin von heute (Kristina Herbold-Ross) wirbt für diese Gottesdienste. Sie finden auf Bauernhofen, in der freien Natur, in den Moordörfern statt. „Wir kommen zu den Menschen dorthin, wo sie wohnen.“ Nach den Gottesdiensten stehe der direkte Weg offen zu einem Ausflug ins Moor. Nur ein kurzer Schritt sei es bis dahin. Das Leben im Moor heute. Es sei anders als damals, aber es sei immer noch schwierig zu bewirtschaften, das Moor. Der Landwirt von heute, Jan Monsees (Markus Maiwald) zeigt Probleme auf: Der Milchpreis, Verordnungen und Regelungen, Familien, die mit dem täglichen Brot versorgt werden müssen, die anständig leben wollten. Immer wieder die Suche nach Möglichkeiten, ertragreich zu wirtschaften und angemessen leben zu können.

Die Naturschützer bemühen sich mitmannigfaltigen Bestrebungen, das Moor vielerorts zu rekultivieren. Wir geben, durchaus mit Respekt vor der Kulturleistung früherer Generationen, der Natur ein Stück Moor zurück, so die Naturschützerin Anke Murken (Regine Sievers). Hand in Hand mit vielen Menschen, Vereinigungen und öffentlichen Institutionen gehe es darum, Moor zu bewahren und an vielen Stellen wieder Moor sein zu lassen. Denn der Mensch lebe nicht vom Brot allein, es gehe auchumdie Bewahrung der Schöpfung. Dafür lohne es sich zu kämpfen.

Auch heute noch müssen Menschen ihre Heimat verlassen, so wie die Migrantin von heute (gesprochen von Nele Rühlemann). Vertrieben durch Gewalt und Not, angekommen hier bei uns, in einem fremden Land, auf der Suche nach Brot und Hoffnung, und doch nicht wirklich zu Hause. Auf der Hoffnung auf einen sicheren Platz zum Leben. So wie damals die Menschen, die nach Amerika gingen.

Gemeinsames Gebet und Segen, gespendet durch Pastorin Wolthoff, schließen den Gottesdienst ab.„Ein schöner Gottesdienst!", „Wir haben heute erlebt, wie Geschichte und Gegenwart ineinander greifen.", „Einmal ein ganz anderer Gottesdienst.", „Wir nehmen eine wunderbare Erinnerung mit nach Hause!" Nur einige der Stimmen von Besuchern dieses gelungenen Gottesdienstes. Und: „Ich werde noch einen Tag länger hier bleiben und die Gelegenheit zu einem Besuch im Moor nutzen."

Für die vielen ehrenamtliche Beteiligten eine Genugtuung. Eine Bestätigung für den Wert der geleisteten Arbeit. Sie kommt der Region zu Gute, die hier auf eindrucksvolle Weise im Zusammenwirken von Vereinigungen, Gruppen, Stadt, Landkreis und Kirchenkreis präsentiert wurde. Diese Gelegenheit wurde unter anderem auch genutzt, um für die Ausstellung „Seelenlandschaft“ in Worpswede zu werben. „Über 1000 Werbekarten sind wir losgeworden“, schwärmen die begeisterten Mitarbeiterinnen des Landkreises. „Eine tolle Aktion!"

Dass unsere Moorgegend mehr zu bieten hat als nur Tradition oder gar Folklore demonstriert in einem der Torfkähne eine schwungvoll-farbige Sambagruppe aus Osterholz-Scharmbeck: „Die Leute hier haben doch mehr Temperament, als manche so glauben!“
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