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26.11.2011
Diakonisches Werk plant Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche
Wie die Narben der Seele wieder heilen

Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck. Trauer und Freude können auch nah beieinander liegen. Das zeigt das neue Projekt des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis: Mit Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche will die Diakonie das Leistungsspektrum zum Jahresbeginn 2012 um ein zentrales Angebot erweitern. Die Freude der Initiatoren ist groß, denn das innovative Vorhaben überzeugte in Zeiten enger Budgets bereits den Kirchenkreistag, die Landeskirche Hannovers und zahlreiche Sponsoren. Das Projektteam setzt auf die Hilfe weiterer Finanziers.




Norbert Mathy, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis, freut sich über den großen Zuspruch aus vielen Kreisen der Gesellschaft: „Mit dem neuen Arbeitsfeld können wir endlich einem deutlich nachgefragten Bedarf entsprechen und ein neues Kompetenzfeld aufbauen“. Die Anfragen kämen aus Schulen, Kindergärten, aus Kirchengemeinden und sozialen Diensten sowie aus dem Ambulanten Hospizdienst.

Der Hospizdienst des Diakonischen Werkes begleitet seit 2004 sterbende Menschen und ihre Angehörigen. Das Trauercafé als offenes Trauerangebot und Trauergruppen bieten Trauernden Raum für Schmerz, Tränen und Hoffnung, Trost und Zuversicht. Diese Trauerarbeit mit Erwachsenen wurde stetig ausgebaut. Doch auch Kinder und Jugendliche leiden – wenn Eltern, Großeltern, der Bruder oder die Schwester sterben. „Innerhalb der Angebote für Erwachsene konnten wir Jüngere nicht begleiten, denn diese haben ganz andere Ausdrucksformen für ihr Leid und ihre Trauer, denen man Raum geben muss“, weiß Mathy. Trauer sei keine Krankheit, aber ihre Vermeidung oder Verdrängung könne krank machen. „Es geht nicht darum, Trauer loszuwerden, sondern Trauer zuzulassen, bis sie erträglicher wird.“ Ziel sei es, „Menschen auf dem Weg durch die Trauer zurück ins Leben zu begleiten“.

Für die erste Projektphase von fünf Jahren haben Mathy und sein Team einen erfahrenen Partner engagiert: Trauerland, das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e.V. in Bremen. „Von diesem Verein wollen wir bei der Planung, der Schulung Ehrenamtlicher, der Umsetzung und der Sicherstellung der Qualität viel lernen“, sagt Mathy.

Wie sieht diese Arbeit aus? Kinder und Jugendliche trauern anders. Sie leben ihre Gefühle eher spielerisch, kreativ und körperbetont aus als durch Sprache. Sie spielen Schlüsselszenen mit dem Verstorbenen nach, sie malen Bilder oder erfinden neue Rituale. „Momente größter Trauer wechseln oft ab mit fröhlichem Spiel“, berichtet Dr. Diana Zühlsdorff, Geschäftsführerin von Trauerland. In den fünf Räumen ihres Trauerhauses könnten die Trauernden ihre Gefühle ausleben: im Snoozeraum kuscheln, im Toberaum Bälle schießen, im Malraum malen oder basteln, in anderen kickern, im Bällebad schwimmen, mit den Pädagogen und Psychologen sprechen, singen, schreien – oder mit sich ganz alleine sein. „Sie müssen keine Rolle, keine Verantwortung übernehmen und lernen mit den Narben umzugehen“, sagt Zühlsdorff.

Dieses Konzept wird auch das Osterholzer Projekt prägen. Mathy will in der städtischen Kirchengemeinde St. Marien eine Wohnung anmieten und die Räume für kreatives Spiel, fürs Toben, aber auch fürs Alleinsein und für Gespräche ausstatten lassen. Zwei Mitarbeiterinnen mit jeweils einer halben Stelle sollen die Trauernden betreuen. In Kooperation mit Trauerland – und dennoch mit eigenem diakonischen Profil. Weiterer Partner in diesem Netzwerk wird laut Mathy die Kirchengemeinde selbst sein: „Wir wollen hiermit die enge Verzahlung von Gemeinde und Kirchenkreis-Diakonie in gemeinsamer Verantwortung erproben“. Das bringe Vorteile für beide und mache die „Diakonie in Zeiten knapper Finanzen zukunftssicher“.

Das Angebot richtet sich jedoch auch an die Trauernden in den übrigen Kirchengemeinden. Es werde, so Mathy, zusätzlich die Seelsorge entlasten. „Wir wünschen uns, dass sie diese Arbeit in das Profil ihrer Kirchengemeinde übernehmen“, appellierte Mathy bereits an die Delegierten im Kirchenkreistag. Hier stellten Dr. Diana Zühlsdorff und er das Projekt am 8. November vor und erhielten viel Lob und Unterstützung.

Mathy ist zuversichtlich, die Finanzierung der ersten Projektphase mit 400.000 Euro zu schultern. Einen Teil steuert die Landeskirche aus dem Innovationsfonds bei, weiteres Geld kommt aus dem Haushalt des Diakonischen Werkes und der Diakoniestiftung. Den größten Anteil erhofft sich Mathy jedoch von Spendern und Sponsoren. Die Hilfsbereitschaft sei „wirklich beeindruckend und bewegend“ sagt Mathy. Mehrere Zehntausend Euro hätten Sponsoren bereits zugesagt. „Über weitere Zuwendungen für dieses wichtige Projekt würden wir uns sehr freuen“, sagt Mathy. Wer helfen möchte, kann das Projektteam der Diakonie unter Telefon 04791/806-80 erreichen.
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