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28.05.2011
Gelassen auf die Stärken bauen
Kirchenkreistag: Landessuperintendent Dr. Brandy sieht Kirche auf gutem Weg in die Zukunft


LILIENTHAL. Die 17 Kirchengemeinden und der Ev.-luth. Kirchenkreis können die Aufgaben des Strukturwandels mit Mut, Hoffnung und einer kräftigen Portion Gelassenheit anpacken. Diese Botschaft richtete Dr. Hans Christian Brandy am Donnerstag an die Teilnehmer des Kirchenkreistages (KKT) auf dem Gelände der Diakonischen Behindertenhilfe in Lilienthal. Als Gast des Kirchenparlamentes sprach der Landessuperintendent im Sprengel Stade zur Zukunft der Volkskirche. Sein Fazit. Die Kirche hat viele Kraftquellen und jede Menge Potenzial für die Zukunft – jenseits von Reformstress.

„Mutige Veränderungen“: So übertitelte Brandy die Aufgaben der Kirche. Reform sei positiv zu verstehen. „Wir sind ein wanderndes Gottesvolk, brauchen Bewegung, müssen unseren Weg immer neu bestimmen und uns verbessern“, sagte der Kirchenmann. Inhalt und Raum dieser Bewegung müsse die Missionierung der Volkskirche sein.

Wenn „einige Golgatha für eine Zahncreme“ hielten, sei die Zeit reif, in den Gemeinden Menschen neu für die Kirche zu begeistern. „Denn die Mission ist der Herzschlag der Kirche“. Jeder sei aufgerufen, Kontakte zu knüpfen, eine eigene Körpersprache für diese Werbung zu entwickeln. Die Kirche vor Ort habe starke Strahlkraft und viele Argumente: „Diese Charismen und die Buntheit des Glaubens gelte es fruchtbar zu machen“.

Das Herz dieser neuen Missionsbewegung ist laut Brandy die Diakonie. Kirche stifte Identität und sei attraktiv, wenn sie sich für Menschen am Rande der Gesellschaft einsetze. „Tätige Nächstenliebe für Arme, alte Menschen und Benachteiligte ist das Gebot“. Kirche müsse engagiert vor Ort mit der Politik um soziale Lösungen ringen.

Brandy plädierte für ein stärkeres Profil der Kirchengemeinden. „Diese sind direkt beim Menschen, und der Kontakt ist unsere Stärke“, sagte er. Sein Vorschlag: Angebote wie Gottesdienste und Gruppenarbeit sollten stärker für Zielgruppen wie Jugend, Familie und Senioren konzipiert werden. „Wir sollten nicht zur gleichen Zeit identische Milieus bedienen“.

Doch woher soll die Kraft für Reformen kommen? Brandy erinnerte an das Gleichnis vom Weinstock: „Wenn Christus der Weinstock ist, in dem wir wurzeln und wir die Reben, steht das jedem Aktivismus entgegen“. Die Frucht wachse „ganz ohne Erfolgsdruck und sei das beste Gegenbild zum Reformstress“, empfahl Brandy. Vor allen Strategien und Konzepten stehe daher die Ermutigung zum gelassenen Wachstum.

Doch wie gelingt Mission mit weniger Mitgliedern und Pastoren und Diakonen? Wo bleibt der ruhende Pol beim Änderungsdruck? Gerhard Neuenfeldt (Schwanewede) und Pastor Georg Ziegler (St. Marien, OHZ) wollten es genauer wissen.

„Die Zahl der Aktiven bestimmt nicht unsere Ausstrahlung“, gab Brandy zu bedenken. Er verwies auf die stärkere Vernetzung der Gemeinden in den Regionen, mehr Kooperation und stärkere Aufgabenteilung. „Ihren Schritten hier im Kirchenkreis kann ich da nur großen Respekt zollen“.

Brandy sieht die Ehrenamtlichen als wichtigen Motor im Strukturwandel. Sie seien Multiplikatoren und könnten Pastoren und Diakone entlasten. „Sie müssen den Mut haben, nicht mehr alles zu tun und stärker zu delegieren“, sagte der Gastreferent. Die Landeskirche biete viele Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche und werde die Gemeindeberatung im Sprengel um eine halbe Stelle aufstocken.

Brandy regte einen Perspektivwechsel an: „Wir sollten sehen, wo wir gut sind und unsere Chancen stärken“. Diesen Faden nahm Pastor Eckhard Gering zur Freude der Parlamentarier auf. „Jeder sollte sich fragen, was ihm Spaß macht“, plädierte der Pastor von St. Willehadi. Diese Schaffensfreude sei ansteckend und „eine andere Art der Mission“.

Ihr Vortrag hat uns eine Menge gebracht, darauf können wir aufbauen“, bedankte sich der KKT-Vorsitzende Eckart Richter. Dr. Brandy versprach den Gästen, den Weg des Strukturwandels im Kirchenkreis hilfreich zu begleiten.
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