Aus der
Zevener ZeitungKirchtimke/Osterholz-Scharmbeck (ZZ/bal). Die Kirche sieht den Wandel der Gesellschaft als Chance, ihr Selbstbild und ihre Aufgaben zu profilieren. Und sie will die Basis mitbestimmen lassen, wenn es um die Leitlinien für die Zukunft in einer alternden Bevölkerung geht. Diese Signale sendete der thematische Kirchenkreistag in Osterholz-Scharmbeck aus, wo das Parlament des Kirchenkreises tagte.
Die Kirche hat Partner mit ähnlichen Themen. Das zeigte die Gesprächsrunde „Talk im Kreis“ mit Gästen aus Kommunalpolitik und Verwaltung. „Bei den Herausforderungen sitzen Kirche und Kommunen in einem Boot“, sagte der Erste Stadtrat Jörg Fanelli-Falcke. Marion Schorfmann, Bürgermeisterin in Grasberg, sagte, es sei wichtig, „die Kirche im Dorf zu lassen, denn sie muss sichtbar für alle sein“.
Wie die Kirchenregion Tarmstedt/Wilstedt/Kirchtimke den Wandel der Gesellschaft gestaltet, verdeutlichte Pastor Wolfgang Preibusch: In einer Telefonbefragung wurden die Leistungen der Kirche überprüft und Anregungen für künftige Schwerpunkte gesammelt. „Gottesdienst und die Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen haben eine unverzichtbaren Stellenwert und auch die Kinder- und Jugendarbeit ist ein zentrales Handlungsfeld“, referierte Preibusch. „Diese Kernkompetenzen wollen wir trotz weniger Personal erhalten.“
Es gehe darum, rasch Lektorinnen und Lektoren auszubilden und keine Stellen in der Kinder- und Jugendarbeit zu streichen. Im Gegenteil: Sie sollen sogar zeitlich befristet aufgestockt werden.
Die Lage der Kirche skizzierte Anne Voß: „Wir müssen loslassen bei Gebäuden, Aufgaben, dem Selbstbild und den Erwartungen“. Doch Kirche, so die Pastorin, werde auch künftig Gewicht haben, da sie die mächtige Botschaft von Nächstenliebe, Menschenwürde, dem gnädigen Gott und der Hoffnung über den Tod hinaus vermittle.
Künftig weniger Geld im Säckel und Arbeit für eine kleinere Zielgruppe: Politik wie Kirche, so der Konsens der Runde, müssen ihre Kernaufgaben definieren und ihre Ressourcen an Geld und Mitarbeitern kreativ einsetzen. Die Themen wie Familienförderung, Kinder- und Jugendarbeit, Bildung sowie Seniorenangebote werden künftig an Bedeutung gewinnen.
Welche Anregungen haben die Talkgäste für die Zukunftsarbeit der Kirche parat? Jörg Fanelli-Falcke nannte den Dialog mit den übrigen Religionen als eine zentrale Aufgabe. Zudem habe die Kirche die Normen und Grundwerte der Gesellschaft geprägt. „Diese kann Kirche am besten vermitteln und wahren.“
In sieben Arbeitsgruppen nahmen die Parlamentarier die Zukunft in den Blick. Sie legten Ziele, Inhalte und Projekte der kirchlichen Handlungsfelder von der Jugend- und Seniorenarbeit bis zum Ehrenamt und der Diakonie fest. Die Bandbreite reicht vom Seminar „Unser Altenbild“ am 24. Oktober bis zur Ernennung eines Beauftragten für Ehrenamtliche.
Die Jugendarbeit soll, so die Forderung, künftig mit Geld und Mitarbeitern besser ausgestattet werden und verstärkt kurzzeitige Engagements mit Projektcharakter integrieren. Die Diakonie sieht sich von immer komplexeren Lebenslagen gefordert und will die Ressourcen zur Selbsthilfe verstärkt fördern.
Die Fülle der Ergebnisse wird in verschiedenen Gremien analysiert und vom Kirchenkreisvorstand, sozusagen der Regierung des Kirchenkreises, beraten. Im nächsten Kirchenkreistag (KKT) am 4. November wird das Gesamtbild präsentiert. Innerhalb des Plenums und der Ausschüsse des KKT werden dann Leitsätze für die kirchliche Arbeit formuliert. Sie wirken sich aus auf die Inhalte kirchlicher Arbeitsfelder und die Ausstattung mit Personal und Finanzmitteln.