Zu den Favoriten  |  Sitemap  |  Impressum
01.12.2008
Jugend als Schatz der Kirche
Kirchenkreisempfang zeigt die Vielfalt und Lebendigkeit kirchlicher Jugendarbeit

Lilienthal. „Bei uns können Jugendliche noch lustvoll das Leben und den Glauben entdecken“, bereitete Kreisjugenddiakonin Ina Helmers die 150 Gäste am Montag in der Klosterkirche St. Marien auf einen ganz besonderen Abend vor. Denn die engagierten Jugendlichen in den 17 Gemeinden des ev.-luth. Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck standen im Zentrum des diesjährigen Kirchenkreisempfangs. Wie lebendig und vielseitig dieses Engagement ist, erlebten die Gäste aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche mit allen Sinnen: als Film, im Vortrag, im Chorgesang oder als kernige Rockmusik.


„Wer’s glaubt, wird selig! – von der Lust das Leben zu entdecken“ betitelten Ina Helmers und der Filmregisseur Lothar Klose ihr Filmprojekt, das die Gäste im Altarraum auf Großbildleinwand verfolgen konnten. Klose hatte 2007 Ina Helmers und 60 Jugendliche des Kirchenkreises zwischen 13 und 18 Jahren ein Jahr lang mit der Kamera während der Jugendleiterausbildung begleitet und interviewt. Sie sprachen mit ihm über Glauben, Wünsche, ihr Engagement und den Sinn des Lebens.

„Wir haben Dinge erfahren, die sie ihren Eltern nicht erzählen würden und hinterher geweint über diesen Reichtum von Glauben, Sinnsuche und Engagement für andere“, erzählte der Filmer gerührt. Das Engagement hat Gründe, nannte Ina Helmers die Ergebnisse eines Forschungsprojektes: Jugendliche wollen etwas für ihre Entwicklung leisten, Sinnvolles für andere tun und Geborgenheit in der Gruppe finden. Die Jugendlichen suchten sich ganz bewusst die Kirche für ihr Engagement. „Wir geben ihren den Raum dafür, sich und andere zu entdecken und zu akzeptieren und die Vielfalt des Glaubens zu erfahren“.

Die beiden Gastgeber, Superintendentin Jutta Rühlemann und der Kirchenkreistagsvorsitzende Eckart Richter, betonten die wichtige Rolle der Erwachsenen in der Jugendarbeit. „Orientierung und Werte sind große Worte für Jugendliche“, sagte Rühlemann. „Wir sollten sie in Begegnungen vorleben und glaubwürdig mit Inhalt füllen“. Denn kirchliche Jugendarbeit bringe mehr als nur Spaß: „Sie macht das Angebot, den Glauben als den Sinn des Lebens zu entdecken“. Das wirkt laut Richter nur, „wenn wir an Jugendliche weiter geben, was in uns selbst den Glauben trägt“. Die Kirche habe daher den Auftrag, Jugendliche „für die Kirche zu begeistern und zu gewinnen“. Dazu gehörten nicht nur biblische Traditionen, sondern auch Freiräume, um die Sinnsuche und den Glauben mit Kreativität, Freude und Phantasie auszuprobieren.

Beispiele lebendiger Jugendarbeit gaben die Jugendkantorei der St. Marien-Gemeinde unter der Leitung von Renate Meyhöfer-Bratschke und die Jugendband Crosslight der St. Johannes-Gemeinde aus Schwanewede unter der Leitung von Angela Dipper. Sie unterhielten die Gäste mit beschwingten und rockigen Songs.

Wie kann Kirche mit ihrer Jugendarbeit diese neue Spiritualität zwischen „Beten und Chillen“ mit Leben füllen und Jugendliche begeistern? Arend de Vries zeigte in seinem Vortrag auf, wie vier zentrale Handlungsfelder und Traditionen der Kirche die Frömmigkeit Jugendlicher stützen und öffnen können.

Der Geistliche Vizepräsident der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers versteht die Texte der Bibel „als einen großen Reichtum, der Jugendliche anspricht und für sie erschlossen werden muss“. Sie enthielten, wie etwa die Geschichte von Josef und seinen Brüdern, alles, was Jugendliche bewege: die Loslösung von den Eltern, Geschwisterneid, Sinnkrise, Freundschaft und Welterfahrung. Jugendarbeit könne als Bildungsarbeit helfen, diese Traditionen zu vermitteln.

Auch den Gottesdienst sieht de Vries als Kraftquelle für Jugendliche. Diese schätzten den Reichtum fester Formen, Riten, Bilder und Gebete. Als Pastor riet er, „den Gottesdienst zu einer Gemeinschaftserfahrung zu machen“, die Jugendliche suchen. Sie müssten gestärkt und beschenkt aus diesem Fest mit Gott hervorgehen.

Für die meisten Jugendlichen sind laut De Vries auch das Gebet sowie Gesang und Musik Ausdrucksformen der eigenen Spiritualität. Das Gebet vermittle „die Ahnung, dass einer uns stützt, der größer ist als wir“. Musik und Gesang fördere die Gemeinschaftserfahrung und sei eine besonders lebendige Form der Gottesanbetung.

De Vries sieht die Aufgabe der Kirche darin, mit Jugendarbeit die Spiritualität Heranwachsender zu fördern und bilden. Da hier die meisten Elternhäuser ausfielen, „sollte Jugendarbeit so viel wie möglich auffangen und ausgleichen“. Nur dann seien Jugendliche auch als Erwachsene bereit in der Kirche Verantwortung zu übernehmen.

Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gäste des Empfangs im Gemeindehaus. Sie tauschten sich über die neuen Eindrücke aus, sprachen mit den Mitwirkenden und pflegten Kontakte bei Wein und Brot.
Links in dieser Rubrik
1,050
Ev.-luth. Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck  -  Kirchenstraße 5  -  27711 Osterholz-Scharmbeck  -  E-Mail: info@kirchenkreis-osterholz.de