Kirchenkreistag etabliert mit Vollzeitstelle innovative Lernformen für Konfirmanden
E-Learning schafft neue Perspektiven
HAMBERGEN. E-Learning hält Einzug in den Konfirmandenunterricht: Mit einem innovativen Projekt holten am Dienstag die Parlamentarier des Kirchenkreistages ein Stück Zukunft in den Kirchenkreis. Sie machten den Weg frei für die Beschäftigung eines Diakons ab dem 1. Januar 2012 für die Dauer von fünf Jahren. Dieser soll mit Hilfe des Internets und modernster Kommunikation neue Lernformen für Konfirmanden etablieren. Damit ist der Kirchenkreis ein Vorreiter in der gesamten Landeskirche.
Die Initiatoren des Projektes warben engagiert um die Stimmen der Delegierten und stellten die Vorteile heraus. „Der Konfirmandenunterreicht wird zur Schlüsselstelle in der gesamten Kirchenarbeit“, stimmte Superintendentin Jutta Rühlemann das Gremium ein. „Wir müssen uns fragen, wie es uns gelingt, Konfirmanden zu begeistern, um sie dann auch für die Jugendarbeit zu gewinnen“. Beide Arbeitsfelder seinen zentral für den Nachwuchs in der Kirche. Und ein qualifizierter Kandidat warte schon seit Monaten auf den Startschuss, um sein Konzept zu entwickeln. Er soll auf Kirchenkreisebene arbeiten und ein Netzwerk mit den 16 Gemeinden knüpfen.
Für das neue Modell liegen bereits konkrete Ideen und Bausteine vor: Wie Kirchenkreis-Jugenddiakon Hennes Wegner mitteilte, sollen Jugendliche für die Betreuung von Konfirmanden geschult werden. Im Internet werde eine Plattform für E-Learning geschaffen. Hier könne nicht nur Unterrichtmaterial eingespeist und von Konfirmanden abgerufen werden. Das Internet biete auch Foren für den Austausch, Diskussionen und neue Kontakte. Wegner hofft, damit auch Jugendliche zu gewinnen, die man sonst nicht erreiche.
Das Projekt, so die Idee, knüpft ein dichtes Netzwerk zwischen den Konfirmanden und ihrer Kirchengemeinde. Viele Kontakte zur Jugendarbeit sollen es ergänzen: durch Fahrten, Events, Freizeiten, Gottesdienste und Schulungen. Selbst der Konfirmandenunterricht in der Schule könnte Impulse aus dem neuen Projekt bekommen. Der Vorteil: E-Learning ermöglicht individuelleres und unabhängigeres Lernen. „Wir tauschen uns mit Jugendlichen längst per Facebook aus und bewerben mit Erfolg Veranstaltungen“, sagte Wegner. „Nach dem E-Mail-Kontakt suchen sie den realen Kontakt“. Daher werde es „reale Treffen vor Ort“ für Konfirmanden auch bei E-Learning geben.
Markus Gerstmann, Fachmann für Jugendkommunikation aus Bremen, machte den Parlamentariern Mut, die Chancen des Internets zu nutzen. „Im Netz sind junge Mensche zuhause, schreiben über ihre Gefühle, Ängste und die Zukunft“. Kids und Teens träfen sich täglich in interaktiven Netzwerken und Foren wie Facebook und Twitter oder knüpften Kontakte per SMS. „Wer hier nicht andockt, verliert den Anschluss zu einer wichtigen Zielgruppe“. Er empfahl, einen Kriterienkatalog für Inhalte und die Betreuung der Foren aufzustellen. Dieses Wissen solle in Schulungen vermittelt werden.
Die geplanten Lernstrukturen sollen Bewährtes nicht über den Haufen werfen. Das stellte Jutta Rühlemann klar: „Die Netzwerke in den Kirchengemeinden und Regionen sollen nicht abgelöst, sondern gestärkt werden“. Die neue Stelle entlaste besonders die Diakone und Pastoren und schaffe neue Freiräume. Mit E-Learning stelle der Kirchenkreis entscheidende Weichen für die Zukunft.
Doch wie wird der neue Diakon finanziert? „Den Hauptanteil übernimmt der Innovationsfonds der Landeskirche Hannovers“, berichtete die Superintendentin. Hannover trägt mit 111.000 Euro die Hälfte der Personalkosten für die Dauer von fünf Jahren. Den Rest will der Kirchenkreis aus Eigenmitteln, Stiftungen, Spenden und weiteren Quellen bezahlen. Etwa 13.300 Euro, rechnete die Superintendentin vor, hätten die Projektteilnehmer pro Jahr selbst beizusteuern. „Und dieser Betrag lässt sich durch Gelder von Sponsoren noch reduzieren“, warb Rühlemann.
„Die Diakone halten das für sinnvoll“, sagte Diakon Heino Meyer aus Wilstedt. „E-Learning spart auch Zeit ein, und wir versprechen uns eine deutliche Entlastung“. Die Chance sei verlockend: „Wir kriegen praktisch zum halben Preis eine ganze Stelle“. Die Parlamentarier brachten das Projekt E-Learning per Mehrheitsbeschluss auf den Weg.