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14.03.2012
Kirchenparlament verkleinert sich auf 50 Mitglieder und legt künftige Wahlbezirke fest
Mehrheit für Region und kleine Lösung

Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck. Der Kirchenkreistag (KKT) wird künftig statt 70 nur noch etwa 50 Mitglieder haben. Und: Nicht mehr jede Kirchengemeinde wird ihre Delegierten in das Parlament des Kirchenkreises entsenden. Hier kommen erstmals die sieben Kirchenregionen ins Spiel. Sie bestehen aus einer bis fünf Kirchengemeinden und werden die Wahlbezirke sein, aus denen die meisten der neuen Mitglieder nach dem Ende der Amtszeit in diesem Jahr gewählt werden. Das bedeutet faktisch auch eine Stärkung der Regionen – zusätzlich zur regionalen Planung von Stellen, Finanzen, Gottesdiensten sowie der Jugend- und Konfirmandenarbeit.


Das ist der Kern des Doppelbeschlusses, den das Parlament des Ev.-Luth. Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck auf seiner jüngsten Sitzung in Schwanewede getroffen hat. Auf dem Weg zu den Ergebnissen zeigte das Gremium einmal wieder seine Qualitäten als Forum für engagierte Debatten.

Für die neue Lösung machte sich besonders Eckart Richter, der amtierende Vorsitzende des Kirchenkreistages, stark. Er konnte sich dabei auf einen breiten Konsens wichtiger Gremien stützen – von den Kirchenvorständen, über die Regionen und den Kirchenkreisvorstand bis zum Vorstand des Kirchenkreistages. „Wir müssen hier heute einen Beschluss fassen über die Anzahl und die Ausrichtung der Wahlbezirke, und wir müssen bestimmen, wie viele Mitglieder in den künftigen Kirchenkreistag zu wählen sind“, machte Richter klar.

Das von der Landessynode am 7. Dezember 2011 beschlossene Kirchengesetz schreibe einen Beschluss bis zum 30. Juni 2012 vor, ein weiterer Kirchenkreistag sei vorher nicht im Plan. Richter spielte bei seiner Präsentation drei Varianten durch: einen Kirchenkreis mit rund 50, 60 oder 70 Parlamentariern. Die Abgeordneten beschlossen mehrheitlich die „kleine Lösung“ mit rund 50 Abgeordneten. Das Kirchenparlament, so Richter, wolle mit dieser Entscheidung „ein Signal nach innen und außen setzen, zukunftsweisend zu denken und zu handeln“. Diese freiwillige Reduzierung könne Vorbildcharakter auch für politische und sonstige Gremien haben. „Wir alle müssen sparsam und verantwortungsvoll wirtschaften und ein klaren Profil zeigen“, appellierte der Kirchenmann.

Pastor Eckhard Gering (St. Willehadi, Osterholz-Scharmbeck) und Superintendentin Jutta Rühlemann unterstützten diese Argumentationslinie: „Wir haben genug zu tun, wir müssen konzentrierter arbeiten und werden die Kooperation noch verbessern“, sagte Gering. Und Rühlemann ergänzte: „Die Themen werden immer komplizierter, die Wichtigkeit des Kirchenkreistages wird künftig noch zunehmen: Je kleiner, desto effektiver“.

Weniger Einigkeit herrschte bei der Bildung der Wahlbezirke. Gleich mehrere Delegierte wollten lieber auf Gemeindeebene wählen, darunter Birgit Haensgen (Schwanewede) und Detlef Schobeß (Worpswede). „Wir wählen die Kirchenvorstände unter dem Slogan ‚Gemeinde stark machen’ und sollten diese auch als Basis nehmen“, sagte die Kirchenvorsteherin. Schobeß mahnte, die „Gemeinden müssen sich im Kirchenkreistag wiederfinden“ und sieht dies bei der Wahl in Regionen gefährdet. Er fürchtet Kämpfe um die Entsendung der meisten Delegierten und will einem gütlichen Konsens nicht so recht trauen. Helmut Lubert (Meyenburg) weitete die Kritik aus. Er wollte sich mit dem Zeitdruck einer schnellen Entscheidung nicht abfinden und beklagte, dass die Parlamentarier nicht schon im Vorfeld von der Gesetzgebung und den Fristen erfahren hätten.

Kritische Anmerkungen, die Richter nicht auf sich sitzen lassen wollte. Zum einen sei der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Kirchengesetzes erst seit Dezember 2011 bekannt. Auch die darin enthaltene Frist vom 30. Juni 2012 sei ja nicht vorherzusehen gewesen. Zum anderen seien die Gemeinden in den zentralen Gremien des Kirchenkreises bereits im vergangenen und diesem Jahr über den jeweils aktuellen Sachstand informiert worden, stellte er klar. Da seien wohl einige Gemeinden „nicht präsent gewesen“.

Eckart Richter und Pastor Georg Ziegler (St. Marien, Osterholz-Scharmbeck) verteidigten die Regionen als künftige Wahlbezirke und wollten die Skepsis an einer gütlichen Einigung in den Regionen nicht gelten lassen. „Die Kirchengemeinden arbeiten in den Regionen grundsätzlich gut zusammen, man nimmt Rücksicht aufeinander“, wusste Richter. Und Ziegler stimmt zu: „Ich wäre über Kampfabstimmungen in den Regionen sehr überrascht. Wir verkomplizieren hier unnötig die Dinge, die viel einfacher liegen“.

Auch die Zahl der gewählten ordinierten Mitglieder bei der kleinen Lösung bewegte die Gemüter einiger Parlamentarier. Sie bangten um den Sachverstand im Gremium. Hintergrund: Bei künftig rund 50 Mitgliedern würde meist nur noch ein Delegierter aus dem regionalen Kreis der Pastorinnen und Pastoren stammen. Eine Perspektive, die Bernd Reschke (Hambergen) mit dem entrüsteten Einwurf parierte: „Haben wir Ehrenamtlichen etwa keinen Grips im Kopf?“ – und dafür die Lacher der Runde auf seiner Seite hatte.

Roland Hofer
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