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17.02.2011
Kredite wecken Hoffnung
Die Kirchengemeinden unterstützen dieses Projekt von „Brot für die Welt“ in Niger

Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Immer wieder führen Dürren zu Hungersnöten. ADA, eine Partnerorganisation von „Brot für dieWelt“, unterstützt die Menschen am Niger-Fluss - unter anderem durch Kleinkredite, die ihnen den Aufbau einer Existenz ermöglichen.

In Goungo bon, einem 400-Einwohner-Örtchen am nördlichen Niger, steigen die Temperaturen im Sommer auf 45 Grad Celsius, die Luft flirrt vor Hitze, der Boden reißt auf. „In dieser Zeit wächst nichts mehr auf unseren Feldern“, sagt Ortsvorsteher Djibo Ganda. „Früher haben wir uns irgendwie durchgeschlagen, aber die meisten Dorfbewohner hungerten.“ Dass direkt vor ihren Türen ein Schatz lag, war ihnen bis 2003 nicht bewusst: Die großen Mulden auf dem freien Feld vor ihrem Ort füllen sich in der Regenzeit mit Wasser. Es dauert Wochen, bis es verdunstet. „Wir haben diesen Teich 20 Jahre lang nicht genutzt“, räumt der Ortsvorsteher ein.

Es waren Mitarbeitende der nigerischen Fischervereinigung ADA, einer von „Brot für die Welt“ unterstützten Organisation, die ihnen die Augen öffneten: Sie könnten doch in dem Tümpel Fische heranziehen, sie dann verkaufen und davon Reisvorräte einkaufen, schlugen sie den Dorfbewohnern vor. Als Starthilfe gewährte der von ADA ins Leben gerufene Kreditverband einer Gruppe des Dorfes ein Darlehen von 30.000 CFA-Francs (45 Euro), von dem sie sich an die 1.000 Minikarpfen kauften. Die setzten sie in den Teich und warteten ab. „Wenn die Fische etwa 200 Gramm schwer sind, können wir sie für 750 CFA-Francs (1,15 Euro) pro Kilogramm verkaufen“, sagt Diama Hassumi, Schatzmeisterin der Dorfgruppe.

Seit sechs Jahren bewirtschaften die Mitglieder der Gruppe inzwischen den Teich. Vom Erlös kaufen sie Reis für ihre Getreidebank, solange die Preise niedrig sind. Wenn dann die Dürrezeit kommt, können sich bedürftige Familien in der „Bank“ Reis leihen, den sie während der nächsten Erntezeit zurückzahlen. So haben sie auch in Krisenzeiten genug zu essen. „Hallassi“ nennt sich der von ADA aufgebaute Kreditverband, das bedeutet Sicherheit. Sicherheit gibt der Verband nicht nur, Sicherheit fordert er auch: Deswegen werden Kredite nicht an Einzelpersonen, sondern nur an Gruppen vergeben. Bleibt ein Schuldner säumig, haften alle. 90 Prozent der Kreditnehmenden sind Frauen. „Unsere Erfahrung ist, dass Männer die Mittel oft nicht für den vereinbarten Zweck ausgeben“, berichtet ADA-Projektkoordinatorin Sahadatou Saley. „Wenn Frauen Geld in die Hand nehmen, kommt mehr dabei heraus. Denn sie wirtschaften zum Wohle der ganzen Familie.“

„Die Kleinkredite haben unseren Ort beflügelt“, freut sich Vorsteher Djibo Ganda. „Früher haben wir einfach nur abgewartet. Jetzt haben wir mit Krediten die Fischzucht angestoßen, ein Gemeinschaftsfeld für Reis und eines für Gemüse angelegt.“ Das nötige Know-how dazu haben ihnen die Mitarbeitenden von ADA vermittelt. Inzwischen produzieren die Bewohner von Goungo bon so viel, dass sie ihre Überschüsse auf dem Markt verkaufen und die Erträge wiederum in ihre Getreidebank investieren können.

Kirsten Wörnle
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