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31.07.2011
Pressebericht über den Besuch des Landesbischofs im Kirchenkreis
„Sie machen das richtig souverän“

Landesbischof Meister macht beim Besuch im Kirchenkreis Mut für eine engagierte Kirche

KIRCHENKREIS OSTERHOLZ-SCHARMBECK. Es ist seine 13. Station in vier Dienstmonaten, doch von Routine und Stress keine Spur: Ralf Meister ist bestens gelaunt, gibt sich offen und interessiert, humorvoll, aber auch nachdenklich. Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers sucht das Gespräch, schüttelt Hunderte Hände, sammelt Eindrücke und steht Rede und Antwort: Am vergangenen Wochenende war Meister zu Gast im Kirchenkreis. Welche Fragen und Themen warteten auf ihn? Was sind seine Positionen?


In der Tagesstätte für psychisch Erkrankte zollte der 49-Jährige dem Team des Diakonischen Werks großen Respekt: „Dass sich Diakonie so stark für Menschen engagiert, erlebe ich nicht überall, das ist ein sehr mutiges Angebot“. Er würdigte damit das hohe Engagement der 22 hauptamtlichen und 180 ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Vielfalt der Angebote.
Dörte Janoske, Rüdiger Schaffenberg und ihr Team von Ehrenamtlichen helfen in der Tagesstätte 18 Menschen, wieder Alltag zu lernen und Tagesstrukturen zu schaffen. „Diese Vergemeinschaftung ist eine echte Herausforderung, und sie sind gut qualifiziert“, resümierte Meister nach der Führung durch das Haus. Respekt und Lob auch für die Teams des Gästehauses um Renate Partenheimer und des Hospizdienstes um Katja Jenrich. „Sie schaffen ein wertvolles Stück Armutskultur und soziale Bildung, denn wir dürfen nicht akzeptieren, dass sich die Gesellschaft weiter sozial spaltet, weil Güter ungleich verteilt sind“, sagte er zum Gästehaus-Team. „Sie liefern schnelle und effektive Hilfe ohne Schuldzuweisung. Das machen sie sehr souverän, und damit stärken sie die Bürgergesellschaft“.
Auch die Arbeit des Hospizdienstes, so Meister, sei nicht hoch genug einzuschätzen. Denn die Themen Sterben und Tod seien „lebensnotwendig, damit wir die Dynamik haben, uns im Leben immer wieder neu zu entwerfen“. Das Team begegne der „Tod- und Sterbensverneinung in der Gesellschaft“ mit dem Impuls „die letzte Jahreszeit ins Lebens reinzunehmen“. Das „schärft die Erinnerungskultur und den fortwährenden Neubeginn im Leben“.
Das Diakonische Werk versteht sich laut Superintendentin Rühlemann als „Bürgerbewegung, die ihre Gaben einbringt für die Menschen vor Ort“. Das erkläre auch die hohe Motivation und den Erfolg der Mitarbeiter. „Wir motivieren uns hier gegenseitig und haben einen hohen Vernetzungsgrad von Haupt- und Ehrenamtlichen“.

Ortswechsel nach gut zwei Stunden: Bei den Stadtwerken Osterholz steht für Ralf Meister das Thema „Energiewende Osterholz 2030“ auf dem Programm. In der 15-köpfigen Fachrunde informiert Landrat Dr. Mielke über Inhalte, Stand und Ziele der Energiewende in Richtung Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Die Lösung: Mehr Wind- und Sonnenenergie, Biogasanlagen und Spareffekte durch Vernetzung aller Ressourcen und Beteiligten. „Ein tolles Projekt, das sich mit vielen Zielen der Kirche deckt“, kommentierte der Bischof. Die Energiewende Osterholz sei Teil der bundesweiten Energiewende und „gesellschaftspolitisch ein riesiger Schritt“. Die Kirche kenne und teile diese Verantwortung für die Zukunft kommender Generationen. Nachhaltige christliche Verantwortung müsse in die politische Wirklichkeit eingreifen. „Genau dies ist auf Bundesebene geschehen und ist eine große Chance für die Kirche hier vor Ort“, sagte Meister. „Denn Gemeinschaft entwickelt sich dezentral, und Kirche stärkt da, wo Sinnvolles passiert und positive Themenfelder eröffnet werden“.

Was kann Kirche vor Ort tun? Meister sieht ihre Rolle zum einen darin, „die Umsetzung der Wende zu begleiten, Konflikte zu entschärfen und unterschiedliche Interessen zu vermitteln“. Das betreffe den Anbau von Nahrungsmitteln zur Biogaserzeugung ebenso wie Lärm, Planungs- und Nachbarschaftskonflikte bei der Ausweitung regenerativer Energien. Zum anderen müsse die Kirche die Energiewende mit eigenen Maßnahmen und Programm fördern. Die Landeskirche habe sich die Energieeffizienz auf die Fahnen geschrieben und jüngst ein 20-Millionen-Euro-Programm aufgelegt. Besonders die Heizkosten für Gebäude müssten reduziert werden.

Superintendentin Jutta Rühlemann lobte die „visionäre Kraft“ der Energiewende. „Wir brauchen die Vergewisserung, den Blick auf die hoffnungsvolle Zukunft und gemeinschaftlicher Aktionen in einem langfristigen Programm, um auch für künftige Generationen eine lebenswerte Gesellschaft zu gestalten“, sagte Rühlemann. Die Kirche habe Schöpfungsverantwortung und unterhalte viele Gebäude „Da können und dürfen wir uns gar nicht enthalten. Wir könnten hierfür ein kirchliches Modellprojekt einsetzen und uns aktiv in die Energiewende einbringen“.

Laut Eckart Richter, Vorsitzender des Kirchenkreistages, arbeitet der Kirchenkreis intensiv daran, Energie zu sparen und Energiekosten zu senken. Der Kirchenkreistag am 13. September werde sich intensiv mit dem Thema Energiekosten beschäftigen.
Nach diesen Sachthemen folgten neue Stationen: die Torfkahnfahrt auf der Hamme, das neue Projekt „Pilgerherberge“ im Küsterschulhaus St. Jürgen, ein Empfang in der St. Marien-Gemeinde Lilienthal und am Sonntagvormittag ein Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche in Schwanewede.

(Roland Hofer)
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