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Sonderausstellung "Die Zwölf" von Ulrike Waldeck-Runkel in Worpswede
Datum: 07.03. bis 18.04.2010 Ort: Zionskirche Worpswede Hinweis: Um 11:30 Uhr an jedem Sonntag besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit der Künstlerin.
Die Zwölf - Eine Serie figürlich-abstrakter Arbeiten von Ulrike Waldeck-Runkel
Zwölf Figuren und ein Kreuz - was liegt da näher, die Figuren als die zwölf Jünger Jesu zu deuten. Und doch möchte die Malerin Ulrike Waldeck-Runkel sie für Interpretationen offen lassen, sie auch Menschen ohne religiösen Hintergrund für ein Zwiegespräch anbieten.
Seit einigen Jahren nimmt der Mensch mehr und mehr Raum in ihrem Schaffen ein. Genaue Beobachtungen, sei es auf den drei Asienreisen, die sie bisher unternommen hat oder sei es im Alltag, immer fließen sie in den Arbeitsprozess mit ein. Malerischer Ausgangspunkt dieses Themas waren die Ikonen der Ostkirche und die Mumienporträts der Antike. Doch nach und nach löste sie sich von diesen Vorbildern und formulierte etwas ganz Eigenes. So entstanden "Die Zwölf", eine Serie figürlich-abstrakter und vertikal ausgerichteter Kompositionen. Die Zahl zwölf war von Anfang an festgelegt, jedoch keine Bedeutungsebene für die Figuren. Aber mit dem Kreuz als Schlusspunkt, das ursprünglich nicht Bestandteil des Konzeptes war, wird eine christlich-religiöse Interpretation möglich.
Jedes der zwölf Bilder wurde mit dem oberen Teil, dem Kopf, begonnen. Gesichter und Augen sind für die Künstlerin nicht nur ein formales Ausdrucksmittel, sondern ebenso ein Verweis auf Haltungen und innere Befindlichkeiten. In den Gesichtern fasst sie Begegnungen mit Gesichtern verschiedener Kulturkreise zusammen und verdichtet sie bisweilen zu einem inneren Gesicht. Den Köpfen und Schulterpartien, die den figürlichen Teil der Kompositionen ausmachen, schließen sich abstrahierende Farbflächen an. Eine gelbe Vertikale - das alle "Zwölf" verbindende Element - unterstreicht ihren gelängten Charakter. Abgewandelte Farbstrukturen oder Symbole schließen sie im unteren Teil ab und balancieren sie gleichermaßen aus.
Die sich in Farbflächen verlierenden Mittelteile der Bilder sind Reminiszenzen an die Kindheit im heimatlichen Soest mit seinen leuchtenden Kirchenfenstern, die neben ihrer Farbenpracht auch Geschichten zu erzählen wussten. Später kamen Eindrücke der von Marc Chagall entworfenen Fenster im Fraumünster Zürich und von den Glasmalereien in der Kathedrale von Chartres hinzu. Einen Widerschein all der Farbenglut vermitteln diese in Eitempera ausgeführten Bilder. Ihre Farbflächen werden von feinen, unaufdringlichen Linien gegliedert, die die Künstlerin der Glasmalerei mit ihren Bleistegen entlehnte. Und auch in ihren hohen, schmalen Formaten werden Erinnerungen sichtbar - an das Aufstrebende gotischer Kirchenfenster.
Hier, im sakralen Raum, drängen sich "Die Zwölf", die auch im Neuen Testament immer nur mit dem Zahlwort umschrieben werden, dem Betrachter förmlich als die zwölf Jünger Jesu auf. Doch unterbleibt eine namentliche Zuordnung, denn die Künstlerin möchte einen ganz persönlichen Zugang zu den einzelnen Figuren anbieten. Zwangsläufig stellt sich die Frage nach dem Zeitpunkt: Sind es die "Zwölf" von vor oder nach dem österlichen Geschehen? Aber auch das bleibt offen. So kann oder muss sich der Betrachter selbst auf einen Dialog mit den Figuren einlassen.
Wer beispielsweise könnte Judas Iskariot sein? Die Rückenfigur mit dem schulterlangen, offenen Haar, die sich dem Blickkontakt mit dem Betrachter entzieht? Oder die Figur mit dem schwarz anmutenden Schleier vor dem Gesicht, hinter dem die großen, dunklen Augen zu glühen scheinen?
Und wer könnte Johannes sein, derjenige unter den Jüngern, "den Jesus liebte" und der gemeinsam mit Maria Magdalena Zeuge der Auferstehung war? Ist es der Jüngling mit den großen, offenen, aus dem Bild heraus schauenden Augen und einem roten Dreieckssymbol - dem Zeichen für Gott - im unteren Teil?
Die Frage nach Maria Magdalena, obwohl den "Zwölf" nicht zugehörig, kann im Kontext dieser Figuren ebenso aufgeworfen werden, denn die Künstlerin spielt bewusst mit Androgynität. Da nichts festgelegt ist, weder formal noch inhaltlich, sind auch die Standorte der "Zwölf" und somit ihre Korrespondenzen zum dreizehnten Bild, dem Kreuz, variierbar.
Eine nicht nur die Sinne, sondern gleichsam die Emotionen ansprechende Komponente dieser Serie ist die Farbe. Die Malerin mischt alle sekundären Farbtöne und ihre Nuancen aus den Pigmenten Gelb, Blau und Karmin. Selbst das Schwarz ist angemischt. Betrachtet man allein das Gelb der Vertikalen, wird man unterschiedliche Abstufungen wahrnehmen können. Sie reichen vom warmen Goldgelb über das kühlere Chromgelb bis hin zum hellen Gelb im "Kreuz", welches der Farbe des höchsten Lichtes - dem Weiß - am nächsten kommt und als spirituelles Licht gedeutet werden kann. Und als Transzendenz zum Göttlichen.
Gudrun Scabell
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