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Verabschiedung von Pastor Norbert Hintz in Wilstedt
Nur zusammen funktionierten sie
Wilstedt. Schon beim Gottesdienst in der St.-Petri-Kirche reichten die Plätze nicht aus. Bei der anschließenden Verabschiedungsfeier mussten die vielen Gäste gar im Schichtbetrieb Kaffee trinken. Endlos war die Schlange derer, die Pastor Norbert Hintz und seiner Frau Elisabeth danken und alles Gute für den neuen Lebensabschnitt wünschen wollten.
„Wie schafft man es, 37 Jahre lang Pastor zu sein?“ Diese Frage stellte Norbert Hintz im letzten Gottesdienst seiner Amtszeit. Dabei führte er das Beispiel einer Seiltänzergruppe an, die sagte, sie würde hauptsächlich auf das Ziel schauen, da man sonst die Balance verliere. „Ich schaue hauptsächlich auf den, der das Ziel ist: Jesus Christus.“ Und er forderte die Gemeinde auf, es ihm gleich zu tun.
Mit viel Liebe hatte der Kirchenvorstand die anschließende Abschiedsfeier im Saal des China-Restaurants vorbereitet und Pastor Stephan Kottmeier aus Tarmstedt, der die Wilstedter in Zukunft mit betreuen wird, zog schon einmal die ersten Strippen in Wilstedt. Vorerst nur in Form von Kabeln, um die Bilderschau mit Impressionen aus einem Pastorenleben vorzubereiten. Norbert Hintz 1969, der Intellektuelle mit Brille, die junge Frau im Minirock. „Er guckt immer nach unten, sie immer nach rechts“, stellten Gudrun Lemmermann und Christiane Cordes fest. 1973 die Ordination in Sittensen, 1984 der Wechsel nach Wilstedt, Bilder aus Russland, Norbert Hintz als Redner bei Kirchentagen, als Vorsitzender des Martin-Luther-Bundes. „Du hast fünf Kirchenvorstände erlebt und durchlitten und bei Meinungsverschiedenheiten immer darauf geachtet, dass keine tiefen Wunden entstehen“, sagte Gudrun Lemmermann. „Danke für 25 Jahre Dienst in unserer Gemeinde.“ Mit dem Spruch „Wir haben fertig“ endete der Streifzug. Nicht zu vergessen: Hintz‘ Frau Elisabeth. „Nur zusammen funktionieren wir“, hat Gudrun Lemmermann oft von den beiden gehört. „Einiges bleibt, einiges wird wegfallen und einiges neu entstehen“, so die Vertreterin des Kirchenvorstandes mit Blick auf die Zukunft.
Das scheidende Pastorenpaar verriet anschließend auch die Liturgie im Pfarrhaus Hintz: Das Telefon steht an ihrer Seite des Bettes, weil er immer ein bisschen braucht, wenn nachts ein Anruf kommt… Dafür hat er sich von Anfang an eines ausbedungen: „Keine Befehle von oben!“
Musikalisch eingerahmt von der Gitarrengruppe, die Elisabeth Hintz aufgebaut hat, und dem Posaunenchor reihten sich Glück- und Segenswünsche, Umarmungen und Präsente ohne Unterlass aneinander. „Deine unendliche Liebe hat sogar für das große Russland noch gereicht“, betonte Pfarrsekretärin Hannelore Holm.
Wilhelm Lügger und August Bahrenburg brachten eine Schiebkarre voller Holz, mit Kiepe und Gartengeräten – Nützliches, das das Ehepaar Hintz in seinem neuen Heim in Wilstedt gut gebrauchen kann. Kirchenvorstand und viele Gruppen und Gemeindeglieder hatten dafür zusammengelegt.
Als treuer Freund schon aus Sittenser Bibelkreis-Zeiten meldete sich Minister Hans-Heinrich Ehlen mit einer „Scheingabe“ zu Wort: „Wenn ich mal mitten in der Nacht eine SMS kriege, dann ist die von Norbert Hintz aus Russland.“
Dass Norbert Hintz künftig mehr Zeit für den Lutherbund haben möge, hofft dessen Vertreter Andreas Siemmens aus Hannover. Bunte Fußstapfen gab es vom Kindergottesdienst. Dass jetzt auch ein „Ruhe-Stand“ einkehren möge, wünschte Pastor Wolfgang Preibusch aus Kirchtimke.
„Du hast immer ein offenes Ohr gehabt für die Nöte und Sorgen deiner Mitmenschen“, so Bürgermeister Günter Nase, der für alle Bürgermeister des Kirchspiels sprach und auch Kritik loswerden musste: „Es ist ja nicht so, dass man keinen Nachfolger bekommen kann. Die Kirche hat einfach keinen eingestellt. Das ist ein schmerzlicher Einschnitt für unsere Kirchengemeinde.“ (rsk)
Zevener Zeitung, 23.3.2010
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