70 Aktive proben beim Liturgischen Tag neue Elemente für die Vielfalt der Gottesdienstkultur
KIRCHENKREIS OSTERHOLZ-SCHARMBECK. Aus dem Keyboard ertönen Soul-Rhythmen, der Chor schmettert im Wechselgesang sein Halleluja, die Gläubigen schnippen mit den Fingern, wiegen die Hüften, es swingt und groovt in den Kirchenbänken – zu Gottes Ehre und der Menschen Wohlgefallen: 70 Gottesdienst-Aktive aus dem Kirchenkreis haben neue Ideen für die Gottesdienste erarbeitet. Wie die Workshops, Vorträge und eine Gospelmesse zeigen, bietet die Kirche bereits eine moderne und bunte Gottesdienst-Kultur. Die neuen Ideen könnten diese Vielfalt noch bereichern. 
Der Gottesdienst ist die zentrale Feier der Gemeinde, in der sich Gott und Mensch begegnen. Jeder Teilnehmer kann hier auftanken, sich stärken, die Kräfte des Lebens spüren. Dieses Bild des Glaubensfestes zeichnete Dr. Hans Christian Brandy. „Nutzen sie die Weite und die Freiheiten, die das Augsburger Bekenntnis von 1530 lässt“, machte der Regionalbischof Mut. Kirche sei missionarisch angelegt und solle daher auch jüngere Menschen und möglichst viele Milieus vom Konservativen bis zum Reformer ansprechen. Neues Elemente neben Tradition und Bewährtem: Beide Pole bereicherten die Kultur der Gottesdienste.
Doch wie neue Menschen für Gottesdienste begeistern? Brandy plädierte für eine flexiblere Liturgie beim normalen Sonntagsgottesdienst: „Denn hier ist nur die Struktur vorgegeben, die sie mit Leben füllen können“, sagte er. Noch gebe es zu viele Gottesdienste nach alter Manier mit zu vielen Formalien und Routinen. Er sieht Gottesdienst als „Gestaltungsaufgabe der ganzen Gemeinde samt Kirchenvorstand“. Daher sollten möglichst viele Menschen mitmachen: vom Kirchenmusiker, über den Chor und Posaunenchor bis zum Lektor. „Viele Gruppen machen die Kirche lebendig und steigern die Besucherzahlen“, sagte Brandy.
Ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft ging Brandy mit seinem Bekenntnis zur Eventkultur. „Wir müssen besondere Anlässe als Chance sehen, Events aufspüren, sie nutzen, schaffen und inszenieren“. Bestens besucht seien die speziellen Gottesdienste für Familien, Jugendliche, Geschiedene, Verlobte sowie an Festen wie Erntefesten. Diese Zielgruppen-Gottesdienste, so Brandy, könnten die herkömmlichen Gottesdienste ergänzen. .
Hier ist der Kirchenkreis mit „Kirche im Grünen“ schon weit vorgeprescht. Die Gemeinden feiern 50 besondere Gottesdienste auf Höfen, auf dem Torfkahn, an der Windmühle, im Erntefestzelt und auf der Waldlichtung. Die Termine sind bereits Teil des touristischen Angebotes und werden von Tausenden aus der ganzen Region besucht. Tendenz steigend.
Hinzu kommt eine immer buntere Gottesdienst-Landkarte mit regionalen Schwerpunkten: vom Gottesdienst am Feierabend, für die Familie bis zur Glaubensfeier für die Jugend. Kompetenzen werden gebündelt, Arbeit wird verteilt.
Besonders im Jugendmilieu gibt es interessante Impulse: „I feel good“ heißt das neue Konzept der Jugendgottesdienste. Sie sollen vier bis sechs Mal jährlich von Mitgliedern der Evangelischen Jugend und ihrem Diakon Hennes Wegner in den Gemeinden des Kirchenkreises arrangiert werden. Auftakt ist am 5. November um 15.00 Uhr in der Kirche St. Marien in Osterholz-Scharmbeck. Das Motto lautet „Sei stark – zeig Schwäche“. Mit Theaterszenen, knackigen Textbeiträgen, Mitmach-Aktionen und viel Musik werden hier Jugendthemen auf moderne Art inszeniert.
Gottesdienst, so die Botschaft des Liturgischen Tages ist Leben, Freude, gibt Kraft, „hat die beste Botschaft der Welt“ (Brandy) und bewegt die Schar der Gläubigen. Neues Rüstzeug dafür haben die Chorleiter, Sänger, Musiker, Lektoren sowie Pastorinnen und Pastoren in sechs Workshops erarbeitet. Pastor Reinhard Pikora aus Hamburg präsentierte zusammen mit der Kirchenkreiskantorin Caroline Schneider-Kuhn neue Texte und Melodien, Gospels und Kirchentagssongs. Landesjugendpastorin Gudrun Junge und Jugenddiakon Hennes Wegner stellten Konzepte für Jugendgottesdienste vor. Die Superintendentin Jutta Rühlemann, Pastorinnen und Pastoren übten neue Andachtsformen, Predigtstile und Lesungen ein.
In der abschließenden Gospelmesse kam der neue Geist zu seinen Ehren und in Bewegung. Mit vielen Gospels, kurzen Anmoderationen, neuem Kyrie und Glory, Wechselgesängen zwischen Chor und Gemeinde. „Wir haben hier erlebt, wie neue Ideen und Elemente unsere Gottesdienste bereichern können“, sagte Superintendentin Jutta Rühlemann nach dem Treffen. „Diese Verknüpfung von Tradition und Neuem bleibt eine spannende und belebende Aufgabe der Kirche“.
