|
Wie die Kirche der Zukunft gelingt
Finanzexperte präsentiert vor Kirchenkreistag seine Lösungen für den Strukturwandel
Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck. Die Kirche kann ihren Strukturwandel mit Mut gestalten. Denn: Geld wird nicht der entscheidende Faktor für eine lebendige Kirche sein. Dieses Fazit zog der Finanzexperte der Landeskirche Dr. Rolf Krämer vor dem Kirchenkreistag am vergangenen Dienstag. Er nannte daher nicht nur Zahlen und Fakten, sondern skizzierte auch Lösungen für den Kirchenkreis und die 17 Kirchengemeinden in Zeiten schwindender Einnahmen. Einige zentrale Weichen hat die Kirche bereits gestellt.
Bei den Finanzen sind die Steuereinahmen der Dreh- und Angelpunkt, wie Krämer, Vizepräsident des Landeskirchenamtes, erläuterte. Sein Szenario: „Bis 2030 werden wir 50 Prozent der realen Finanzkraft verlieren“. Ein Drittel habe die Kirche schon von 1992 bis heute eingebüßt. Als Hauptgrund nannte Krämer, neben der Konjunktur, den Mitgliederschwund. Vor allem wegen sinkender Geburtenzahlen würden in 20 Jahren ein Drittel zahlender Mitglieder fehlen. Die Landeskirche, die 75 Prozent ihrer Einnahmen an die Kirchenkreise und Gemeinden verteile, reagiere mit drastischen Sparmaßnahmen: „Wir werden bis 2020 nochmals 15 Prozent einsparen“, versprach Krämer.
Und was kommt auf den Kirchenkreis und seine Gemeinden zu? „Wir werden den ganzen Betrieb perspektivisch auf die geringere Finanzkraft einstellen müssen“, sagte Krämer. Wie das geht, stellte er in einem Sechs-Punkte Programm vor:
Zum einen sollten auf der Ebene des Kirchenkreises Modelle und finanzielle Anreize zu mehr Kooperation geschaffen werden. Hier haben Kirchenkreis und Parlament bereits Zeichen gesetzt: Die 17 Gemeinden sind in sieben Regionen organisiert, konzentrieren und vernetzen ihre Aufgaben wie Gottesdienste, Jugendarbeit und Kirchenmusik und verwalten regionale Stellen-Budgets. Das bringt finanzielle Vorteile, wie der Parlamentsbeschluss vom Mittwoch zeigt: Was durch Stellenplanung gespart wird, kann in die Stellenplanung für 2012 bis 2016 übertragen werden.
Krämer nannte zwei weitere Sparpotenziale als Vorschläge an den Kirchenkreis: „Verzichten sie auf weitere Körperschaften, Gremien und Arbeitskreise und planen sie ihre Personalangelegenheiten langfristig über die üblichen Zeiträume hinaus“.
Den Gemeinden riet er, sich noch stärker zu vernetzen. „Sie könnten den Weg bis zur Fusion gehen, dabei aber die örtlichen Identitäten bewahren“. Auch der Bestand an Gebäuden könne langfristig nicht gehalten werden und müsse verringert werden. Weitere Spielräume seinen möglich, „wenn sie die Einnahmen vor Ort stärken und den Menschen konkrete Projekte vorstellen“. Auch hier sind die Gemeinden bereits seit Jahren aktiv. Sie nehmen zusätzliches Geld durch den freiwilligen Kirchenbeitrag ein, der meist konkreten Projekten zugute kommt. Gleichzeitig knüpft Pastor Lueder Möring als Beauftragter für Fundraising sein dichtes Netzwerk von Kontakten, um Sachmittel, Spenden und Zuwendungen einzuwerben, die in die Kirchenarbeit fließen.
In der anschließenden Diskussion vermissten einige Pastoren die Hilfe der Landeskirche im Strukturwandel vor Ort. Andreas Otten sieht eine „Überlastung der Pastoren“ durch immer mehr Aufgaben, Karl Greving beklagt die „Unterversorgung Schwanewedes“ mit Pastoren und Diakonen. Eckhard Gering forderte „Hilfestellungen beim Gebäudeverkauf“ und wünscht sich „zentrale Beratungen, wie man Regionalisierung hinkriegt“.
Wolfgang Preibusch sieht eine Lösung in der Stärkung des Ehrenamtes: „Wir müssen neue Menschen gewinnen, Lektoren und Religionspädagogen schulen, um den Weg von der Versorgungskirche zur Beteiligungskirche zu gestalten“. Hier machte sich Krämer für die Angebote der Landeskirche stark. Er warb dafür, bei den Schulungen die zentralen Fortbildungsinstitute für Gottesdienste, Kirchenmusik und Predigt und Ehrenamt zu buchen. „So können sie die Kirchenglieder stärker professionalisieren und die Belastungen besser verteilen“. Diese Institutionen sollen in der Finanzdiskussion daher nicht dem Rotstift zum Opfer fallen.
|