Für Geist und Seele

Angedacht aus dem Osterholzer Kreisblatt (Pastorin Birgit Spörl, Ritterhude)

Im grauen Novemberniesel, mit den Händen tief in den Taschen und der Kapuze über den Kopf geschlagen, gehe ich manchmal noch krummer als sonst. Der Blick bleibt auf dem Boden kleben. Die Gestalt beim Spaziergang, die dem Regen trotzt, ist manchmal ein Abbild für die Stimmung. Um überhaupt aufzuschauen, braucht es etwas, das den Blick hebt.

Vögel am Himmel zum Beispiel: Wenn Gänse laut schnatternd in Formation vorbeifliegen; wer würde da nicht aufsehen?

Auf meiner „Hammerunde“ sind es manchmal auch die entgegenkommenden Spaziergänger, die mich aufschauen lassen: Blick nach vorne, vielleicht ein Gruß oder gar ein Lächeln.

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

In diesem Kapitel des Lukasevangeliums geht es um die „Endzeit“. Da wird beschrieben, dass Zeiten kommen, in denen vieles ins Wanken gerät, bildlich und buchstäblich. Dass Menschen in Angst leben und Verwirrung herrscht. Wenn das so ist, so sagt Jesus in dieser Endzeitrede, dann schaut auf und sucht nach den andren Zeichen. Nach dem Kommen Gottes, nach seiner Erscheinung in der Welt. Dann lasst euch nicht verwirren von denen, die so atemlos reden. Bewahrt die Ruhe, schaut auf und hebt die Köpfe, weil sich eure Erlösung naht.

Morgen ist der erste Advent. Die Adventszeit ist ein einziger Ruf, aufzusehen: Schaut nach vorn, schaut nach oben! Advent bedeutet übersetzt „ankommen“: Es kommt jemand auf uns zu, der es gut mit uns meint. Gott kommt im Menschen Jesus Christus in diese Welt. Gott kommt uns in unserem Leben nahe, in Freude und im Schmerz. Er kommt nicht als Herrscher, nicht mit den Mächtigen im Bunde. Sondern als einer, der die Menschen am Rande sieht und Gebeugte aufrichtet. 

In diesem Jahr wird es so sein, dass wir Weihnachten kleiner feiern und auch den Advent ruhiger erleben. Darin liegt eine Chance, zu lauschen und zu schauen. Sich nicht verrückt machen zu lassen, von denen, die laut sind. Zeit, den Kopf zu heben und sich den Fragen zu stellen, die wichtig sind. Zeit haben für Gott und die Nächsten. „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Ein „Kopf hoch“ aus der Bibel kommt auf uns zu – um uns stärker zu machen und gewisser. Geduldig und frei.

Ich wünsche ihnen einen gesegneten ersten Advent!

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