Für Geist und Seele

Angedacht aus dem Osterholzer Kreisblatt (Pastorin Christina Riegert, Kirchenkreis)

„Auf Sicht fahren“. Eine dieser Wendungen, die im Jahr 2020 gern genutzt wurden. Politiker fahren in der Pandemie auf Sicht und mit ihnen die Bevölkerung. So sehr ich Verständnis dafür hatte und habe, so sehr kostet das Ganze auch Kraft. In dieser Woche haben sich Bund und Länder auf ein weiteres Vorgehen verständigt. Auch dabei fahren wir wieder auf Sicht und manchmal habe ich das Gefühl, wir stehen dabei im dichten Nebel. Wie und wo geht es weiter? Keine aussagekräftigen Zahlen, viele Vermutungen und wissenschaftliche Modelle, viel Unsicherheit, denn niemand kann in die Zukunft sehen. Wir fahren auf Sicht und stehen doch im Nebel.

Am Ende des letzten Jahres hat mich ein Licht durch diesen Nebel erreicht: An die Fassade von Schloss Bellevue wurde ein Wort in meterhohen Buchstaben projiziert: ZUVERSICHT. Dieses Wort hat mich berührt. „Zuversicht“. Manchmal ist sie verpönt als Naivität oder Weigerung die Realität zu akzeptieren. Ich sehe das anders. Zuversicht bedeutet trotz der Realität das Vertrauen darauf zu setzen, dass sich etwas zum Positiven entwickeln kann.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“  So drückt es der Hebräerbrief im 11. Kapitel aus.

Ich hoffe, dass ich im neuen Jahr meine Familie und Freunde zu jeder Zeit wiedersehen und in den Arm nehmen kann. Ich hoffe darauf, dass wir im Gottesdienst wieder laut singen können – unter völliger Ignoranz sämtlicher Aerosolbildung. Ich hoffe auf einen geregelten Alltag für meine Kinder und darauf, dass sie das Wort Virus nicht mehr hören müssen. Ich hoffe auf Gemeinschaft ohne schlechtes Gewissen. Und ich glaube daran, dass sich diese Hoffnung erfüllt, dass diese inneren Bilder Wirklichkeit werden. Das nennt sich dann wohl Zuversicht.

Diese Zuversicht hat ihren Grund nicht nur in dem Impfstart im letzten Jahr und dem grundsätzlichen Vertrauen in Wissenschaft und Politik. Der Grund für meine Zuversicht liegt in meinem Gottvertrauen: Dem Glauben daran, dass Gott seine Menschen liebt und uns hilft, wo er kann: Mit der Vernunft, die er den Menschen gegeben hat, genauso wie die Fähigkeit den Nächsten zu lieben, Rücksicht zu nehmen und solidarisch zu sein. Nutzen wir diese Gaben, um dieses blöde Virus endlich loszuwerden. Und bleiben wir bis dahin zuversichtlich. ZUVERSICHT. Für mich jetzt schon das Wort des Jahres 2021!

Niemand bleibt allein

Seiten für schwere Zeiten

Broschüre

Moment mal

Erfahrungen des menschlichen Alltags, aus dem Glauben gedeutet. Eine Reihe zum kurzen Innehalten im schnellen Lauf der Zeit. Eine Podcast-Reihe des NDR

Moment mal