Für Geist und Seele

Angedacht aus dem Osterholzer Kreisblatt (Pastorin Christina Riegert, Wallhöfen)

„Menschen machen Fehler.“ Dieser Satz ist eigentlich banal. Aber ich habe zunehmend das Gefühl, es ist nicht mehr vorgesehen, dass dies geschieht. Menschen verlangen Perfektion und Selbstbeherrschung – von sich selbst und von anderen. Wenn der andere doch etwas falsch macht oder etwas Falsches sagt, ist die Empörung groß. Die Bitte um Entschuldigung wird häufig nicht mehr gehört.

So berichten es viele Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Kritik, Verurteilung, manchmal sogar unverhohlener Hass schlagen ihnen entgegen. Und ob sie ihren Fehler einsehen, ihn eingestehen und um Verzeihung bitten, spielt keine Rolle mehr.

Fast jede Woche gibt es wieder neue Fälle: Die Ministerin und ihr Doktortitel. Der ehemalige Fußballer und die Nachricht mit rassistischem Inhalt. Die Politiker und nicht angezeigte Nebeneinkünfte. Alles Fälle, in denen das Eingestehen eines Fehlers und die Bitte um Entschuldigung richtig und notwendig sind. Aber wie geht es dann weiter? Wie gehen wir als Gesellschaft damit um? Ist es dann gut oder geht die Empörung weiter?

Auch ich kenne so Tage, an denen ich besonders unbarmherzig bin. Da kann ich innerlich toben, nur weil ein Auto auf dem Gehweg parkt. Es geht mir in diesem Fall nicht darum, dass mir geschadet wurde, es geht mir nur ums Prinzip.

Menschen machen Fehler. Und je nachdem wieviel Verantwortung sie tragen, desto größer kann der Schaden sein, den sie damit anrichten. Deswegen wäre es falsch, einfach darüber hinwegzusehen und zu sagen: „Schwamm drüber“. Es ist richtig, die eigene Schuld zu benennen und einzugestehen. Und es ist richtig, um Verzeihung zu bitten und zu versuchen, die eigenen Fehler wieder gut zu machen, auch wenn das nicht immer gelingen kann.

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ So heißt es im Vater Unser. Für mich heißt das: ich gestehe mir ein, dass ich nicht perfekt bin und Fehler mache. Ich weiß, dass ich auf Vergebung angewiesen bin. Ich glaube, dass Gott mir vergibt, wenn ich ihn darum bitte. Und in diesem Glauben will ich das Verzeihen üben.

Moment mal

Erfahrungen des menschlichen Alltags, aus dem Glauben gedeutet. Eine Reihe zum kurzen Innehalten im schnellen Lauf der Zeit. Eine Podcast-Reihe des NDR

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