Ein Abend der klaren Worte

Nachricht Osterholz-Scharmbeck, 13. Februar 2026

Wanderausstellung „Erinnern heißt Kämpfen“ im Rathaus von Osterholz-Scharmbeck

Roswitha Strube (links) begrüßte die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Neuner-Krämer zur Ausstellungseröffnung

Osterholz-Scharmbeck. Zur Eröffnung am 10. Februar 2026 begrüßten die Omas gegen Rechts gemeinsam mit dem Bündnis für Demokratie Osterholz-Scharmbeck zahlreiche Gäste im Rathaus. Stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Neuner-Krämer machte in ihrem Grußwort deutlich, dass die Ausstellung hier „am richtigen Ort“ sei: im Haus der demokratischen Entscheidungen, der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenwürde. Erinnern, so betonte sie, sei Verantwortung – und heiße kämpfen gegen jede Form rechter Gewalt, die immer ein Angriff auf die gesamte Gesellschaft ist.

Roswitha Strube von den Omas gegen Rechts erinnerte daran, wie lang der Weg bis zu dieser Eröffnung war: Seit Mai 2025 habe die Gruppe daran gearbeitet, die Ausstellung nach Osterholz-Scharmbeck zu holen, inspiriert von einer vorherigen Station im Achimer Rathaus. Mit der Gründung vor Ort verfolgen die Omas gegen Rechts das Ziel, Freiheit und Demokratie gegen Rechtsextremismus zu verteidigen und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es überhaupt Todesopfer rechter Gewalt gibt.

Rechtsextreme Gewalt als Realität

In ihrem Gastvortrag machte Sarah F. vom Bündnis gegen Rechts Worpswede deutlich, dass Rechtsextremismus kein Randphänomen ist, sondern eine reale Bedrohung für Demokratie und Minderheiten. Sie beschrieb, wie Menschen in „wir“ und „ihr“ aufgeteilt werden, wer nicht passt, zum Feindbild wird und in ständiger Angst lebt. Die Zahl der Taten mit rechtsextremem Hintergrund sei allein von 2023 auf 2024 um 47 Prozent gestiegen, der Anteil jugendlicher Täter habe sich innerhalb von vier Jahren verdoppelt – und die Dunkelziffer liege sicher höher.

 

Sprache, so ihre Mahnung, ist nie neutral: Aus Worten werden Taten, soziale Medien verstärken und radikalisieren Positionen, wir befinden uns „mitten in einem rechten Kulturkampf“. In Zeiten globaler Krisen – sozial wie klimatisch – bekommen rechtsextreme Angebote zusätzlichen Nährboden. „Erinnern heißt kämpfen“ bedeute deshalb, wachsam zu sein, für demokratische Werte einzustehen, Verbündete für andere zu werden und die eigene Verantwortung ernst zu nehmen.

 

Was die Ausstellung zeigt

Karin Schimming von der Mobilen Beratungsstelle Niedersachsen/WABE e.V. führte in Inhalt und Aufbau der Ausstellung ein. Seit drei Jahren wandert „Erinnern heißt Kämpfen“ durch das Land, war bereits an rund 30 Orten zu sehen und macht nun erstmals Station in Osterholz-Scharmbeck. Im Zentrum stehen zehn Menschen, die von Rassistinnen, Rassisten oder politischen Gegnern getötet wurden und deren Geschichten im Rathaus nun nachlesbar sind.

Schimming hob hervor, dass viele Betroffene ohnehin an den Rand der Gesellschaft gedrängt waren: wohnungslose Menschen, Personen, deren Leben von Armut, Krankheit oder Suchterkrankungen geprägt war. Die Ausstellung zeigt, wie rechte Gewalt sich gezielt gegen Menschen richtet, denen Täter bestimmte Gruppenidentitäten zuschreiben – wegen Herkunft, sozialem Status oder tatsächlicher bzw. zugeschriebener Zugehörigkeit zu Minderheiten. 

Anhand von Biografien wie Gustav Schneeclaus, der sterben musste, weil er Adolf Hitler einen „großen Verbrecher“ nannte, oder Kolong Jamba, der, weil er störte, im Zug von Hamburg nach Bremen erstochen wurde, wird deutlich, welche Gesichter und Geschichten hinter den Zahlen stehen. Viele Hinterbliebene kämpfen noch immer um die offizielle Anerkennung ihrer Angehörigen als Opfer rechter Gewalt – „das Mindeste, was die Gesellschaft tun kann“, wie Schimming betonte.

Einladung zum Besuch

Begleitet von Gitarrenmusik von Georg Mikschl entstand an diesem Abend im Rathaus ein Raum der Trauer, der Solidarität und der Ermutigung, Haltung zu zeigen. Die Ausstellung „Erinnern heißt Kämpfen – Zwischen Anerkennung und Vergessen. Todesopfer rechter Gewalt in Niedersachsen seit 1990“ ist noch bis zum 20. Februar 2026 im Rathaus Osterholz-Scharmbeck, Rathausstraße 1, zu sehen und während der Öffnungszeiten zugänglich. Führungen für Schulklassen können über die Omas gegen Rechts (omasgegenrechts-ohz@outlook.de) vereinbart werden.