Lilienthal. Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Klosterkirche Lilienthal feierte die Notfallseelsorge des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck am Sonntag ihr 25-jähriges Bestehen. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst nahmen an dem Festgottesdienst teil, um ihre Verbundenheit mit der Arbeit der Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger auszudrücken.
Leiter Pastor Hans-Jürgen Bollmann begrüßte die Gemeinde und erinnerte an die Anfänge der Notfallseelsorge, die im Kirchenkreis vor einem Vierteljahrhundert Pionierarbeit bedeuteten. „Am Ende eines Einsatzes wiederholt sich oft dieselbe Szene“, sagte Bollmann in seiner Predigt. „Der Einsatz ist vorbei, der Raum soll verlassen werden – und jemand sagt: Danke, dass Sie da waren.“ Diese Dankbarkeit, so Bollmann, sei das, was die Arbeit der Notfallseelsorge ausmache: Da sein. Da bleiben. Aushalten.
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Kirchenmusikerin und Kantorin Renate Meyhöfer-Bratschke und dem Bach-Chor begleitet, der sich spontan bereit erklärt hatte, mit einer kleinen Gruppe mitzuwirken – ein Beitrag, den Bollmann mit herzlichem Dank und das Publikum am Ende mit kräftigem Applaus würdigte.
In ihren Grußworten unterstrichen Vertreterinnen und Vertreter der Polizei, Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Notfallseelsorge.
Sarah Humbach, Leiterin des Polizeikommissariats Osterholz-Scharmbeck, betonte: „Der schwerste Schritt ist immer das Überbringen von schlechten Nachrichten. Hier beginnt das Unbegreifliche – und hier sind Sie von der Notfallseelsorge unverzichtbare Partner für uns.“
Ihre Kollegin Antje Schlichtmann, Leiterin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, ergänzte: „Sie treten ohne Uniform auf, dafür mit Menschlichkeit. Ihr Mitgefühl und Ihr Vertrauen geben den Menschen Halt – und uns Sicherheit.“
Auch Gerrit Beckmann vom Deutschen Roten Kreuz hob hervor, wie wichtig die seelsorgerliche Begleitung in Krisensituationen ist: „Bei Unfällen oder Reanimationen beginnt Ihre Arbeit dort, wo unsere aufhört. Sie behalten den Menschen im Blick – auch die Angehörigen benötigen Fürsorge, und für sie sind Sie da.“
Kreisbrandmeister Jan Hünken würdigte die enge Verbindung zur Feuerwehr: „Was vor 25 Jahren begann, war echte Pionierarbeit. Dank euch wurde das Thema seelische Belastung ernst genommen. Heute haben wir eigene Angebote für Einsatzkräfte – auch das ist euer Verdienst.“
Ein geistliches Wort brachte Joachim Wittchen, landeskirchlicher Beauftragter für Notfallseelsorge, ein. Er nahm die biblische Geschichte von der Heilung des Blinden bei Jericho als Beispiel: Jesus fragt den Mann: Was willst du, dass ich für dich tun kann? – keine Vertröstung, kein „Das wird schon wieder“. „Denn es wird nicht einfach wieder gut“, so Wittchen. „Wenn ein Mensch aus der Mitte gerissen wird, bleibt eine Leerstelle. Seelsorge heißt, das Schweigen auszuhalten und Raum für das Unbegreifliche zu lassen.“
Die Notfallseelsorge zeigt seit 25 Jahren: Es geht nicht darum, alles wieder „gut“ zu machen, sondern Menschen in den schwersten Momenten Halt, Mitgefühl und Unterstützung zu geben – für die Betroffenen wie für diejenigen, die täglich im Einsatz sind. Das Zusammenspiel aller Hilfsorganisationen macht diese Arbeit besonders wertvoll. Eine gelebte Gemeinschaft, in der niemand alleinbleiben muss.