Am 26. Oktober 2025 feiert die Notfallseelsorge im Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass laden wir herzlich zu einem festlichen Jubiläumsgottesdienst um 10 Uhr in der Klosterkirche Lilienthal ein.
Musikalisch wird der Gottesdienst von Kirchenmusikerin und Kantorin Renate Meyhöfer-Bratschke an der Orgel begleitet. Zudem wirkt eine kleine Gruppe des Bachchores mit und sorgt für eine besondere musikalische Atmosphäre.
Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es Gelegenheit zum Austausch: Wir blicken gemeinsam zurück auf die Anfänge der Notfallseelsorge im Kirchenkreis, auf 25 Jahre engagierte Arbeit – und auch nach vorn in die Zukunft dieses wichtigen Dienstes.
Rückblick: Von den ersten Einsätzen zum professionellen Netzwerk
Begonnen hat alles mit ersten Anfragen von Polizei, Feuerwehr und dem DRK (Deutsches Rote Kreuz). Daraus entwickelte sich im Kirchenkreis eine engagierte Arbeitsgruppe, die schließlich ein umfassendes System der Notfallseelsorge aufbaute – mit 24/7-Erreichbarkeit an 365 Tagen im Jahr sowie einer festen supervisorischen Begleitung der Mitwirkenden.
Heute engagieren sich im Kirchenkreis ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende kontinuierlich für diesen Dienst. 51 Einsätze verzeichnete die Notfallseelsorge allein im vergangenen Jahr im Landkreis Osterholz – in der gesamten Landeskirche (einschließlich Landkreis Schaumburg) waren es 2.241 Einsätze.
Der stille Dienst am Menschen
Etwa 80 % der Einsätze finden im innerhäuslichen Bereich statt, etwa bei plötzlichen Todesfällen oder tragischen familiären Ereignissen. Diese Form der Hilfe geschieht meist leise, im Hintergrund – oft ganz ohne mediale Aufmerksamkeit. Die öffentlich wahrgenommenen Einsätze im außerhäuslichen Bereich, etwa bei Verkehrsunfällen oder Großschadenslagen, machen nur etwa 20 % aus, sind aber medial sichtbarer.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht immer der Mensch – mit einem klaren seelsorglichen Dreischritt: „Stabilisieren – Orientieren – Ressourcen aktivieren“
Dabei orientiert sich die Notfallseelsorge stets am individuellen Bedarf der Betroffenen. Leitfragen wie
„Was möchten Sie, dass ich für Sie tue?“
zeigen die respektvolle, zugewandte Haltung der Mitarbeitenden.
Seelsorge mit Kompetenz und Verschwiegenheit
Die Notfallseelsorge ist nicht nur für Betroffene da, sondern steht auch Einsatzkräften zur Seite – in enger Zusammenarbeit mit dem PSNV-E-Team der Feuerwehr (Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte).
Ein besonderes Merkmal der kirchlichen Notfallseelsorge ist das Seelsorgegeheimnis, das auch vor Gericht gilt. Alle Mitwirkenden werden sorgfältig geschult, auf ihre Aufgabe vorbereitet und in ihrer Tätigkeit begleitet.
Pastor Hans Jürgen Bollmann, leitender Notfallseelsorger im Kirchenkreis und zugleich Sprengelbeauftragter für diesen Dienst, ist die zentrale Kontaktperson für Polizei, Feuerwehr, DRK und die Leitstelle. Er betont:
„Es geht nicht darum, im Blaulichtgewitter mitzuspielen – Seelsorge im Notfall ist seit jeher eine ureigene Aufgabe der Kirche.“
Das zeigt sich in einfachen, aber kraftvollen Sätzen wie:
„Ich bin jetzt für Sie da.“
„Sie sind nicht verrückt – was Sie erleben, ist eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis.“
„Wen möchten Sie jetzt bei sich haben?“
Mitmachen. Mittragen. Mitfühlen.
Jeder Einsatz ist anders – es gibt kaum Situationen, die sich gleichen. Und gerade deshalb ist es gut, dass es die Notfallseelsorge gibt.
Joachim Wittchen, der landeskirchliche Beauftragte, bringt es auf den Punkt:
„Niemand geht gerne in eine solche Situation hinein – und doch ist diese Arbeit ungemein wichtig.“
Wer mehr über die Arbeit der Notfallseelsorge erfahren oder sich vielleicht sogar selbst ein ehrenamtliches Engagement vorstellen kann, ist herzlich eingeladen zum Jubiläumsgottesdienst.