Osterholz-Scharmbeck – Mit einem festlichen Empfang hat das Diakonische Werk des ev.-luth. Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck am Donnerstagabend seine neuen Räume an der Marktweide 11 offiziell eingeweiht. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik, Verwaltung und Gesellschaft nahmen teil, um den gelungenen Umzug aus dem Haus der Kirche zu feiern und das neue Haus kennenzulernen.
Geschäftsführerin Lotta Kohlmann eröffnete den Abend mit einer persönlichen Ansprache: „Ich freue mich sehr, Sie heute hier in unseren neuen Räumlichkeiten willkommen zu heißen. Es ist ein besonderer Moment für uns – nicht nur, weil wir ein neues Gebäude bezogen haben, sondern weil sich hier auch ganz viel von dem spiegelt, was uns ausmacht: Zusammenarbeit, Engagement und der gemeinsame Blick nach vorn.“
Sie blickte auf die vergangenen Monate zurück, in denen Mitarbeitende den Umzug vorbereitet und begleitet hatten. „Sie haben geplant, gepackt, koordiniert, neu gedacht – und manchmal auch improvisiert. Dafür möchte ich heute ausdrücklich Danke sagen. Dieses Haus ist nicht nur ein Gebäude – es ist das Ergebnis Ihrer und unserer Energie, Ihrer Geduld und Ihres Herzbluts.“ Namentlich dankte sie Stephanie Blankenstein, die das Team durch den Umzug geführt habe, sowie Superintendentin Jutta Rühlemann, die den Prozess unterstützt habe.
Kohlmann würdigte auch den großen Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte: „Zusätzlich zu unseren hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen, arbeiten wir mit der Unterstützung von rund 200 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Liebe Ehrenamtliche, ihr tragt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass wir Menschen in schwierigen Lebenslagen begleiten, stärken und ihnen Halt geben können.“ Sie kündigte an, im Herbst ein Willkommensfest für die Ehrenamtlichen im neuen Haus zu feiern.
Neben Dank und Rückblick stellte die Geschäftsführerin auch die Bedeutung der Arbeit für die Gesellschaft heraus: „In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft vor vielen Herausforderungen steht, wird deutlich, wie wichtig soziale Arbeit ist. Sie trägt dazu bei, dass niemand vergessen wird. Sie schafft Verbindung, wo Einsamkeit droht. Sie setzt sich für alle Menschen in dieser Gesellschaft ein und ist so nicht nur eine Hilfe für den Einzelnen, sondern leistet einen Beitrag zur Demokratie.“
Wertschätzung und Dank aus Politik und Kirche
Auch die geladenen Gäste betonten die besondere Rolle der Diakonie für die Region. Torsten Haß, erster Stadtrat von Osterholz-Scharmbeck, sagte: „Es ist ein besonderer Tag, auch wenn der eigentliche Umzug schon ein paar Tage zurückliegt. Es ist ein Aufbruch, eine Weiterentwicklung eine Anerkennung. Nicht jede Stadt, nicht jeder Landkreis kann auf so ein leistungsstarkes Diakonisches Werk zurückgreifen.“ Er verwies auf Angebote wie Migration, Tafel, Suchtberatung und Krisenbegleitung und hob hervor: „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt.“
Martina Sievers, stellvertretende Bereichsleiterin der Diakonie Niedersachsen, stellte den gesellschaftlichen Wert heraus: „Von unschätzbarem Wert bei den großen Herausforderungen Klimawandel, der Krieg in der Ukraine, die wachsenden autoritären Führungen, wirtschaftliche Rezession. Das sind vielfältige Herausforderungen, da braucht es verlässliche Anlaufstellen. Die Diakonie bietet genau das.“
Für große Aufmerksamkeit sorgte das Grußwort von Arezo Sediqi aus Afghanistan, die ihre ganz persönliche Erfahrung schilderte: „Ich komme aus Afghanistan und habe Erfahrung mit dem Diakonischen Werk. Freunde hatten mir erzählt, dass es die beste Anlaufstelle für uns ist. Ich bin vor einigen Jahren hergekommen, hatte Schwierigkeiten und hoffte auf Unterstützung. Hier hatte man Zeit zu reden, ich habe mich verstanden gefühlt.“ Sie berichtete von konkreten Hilfen – von der Wiederbeschaffung verlorener Dokumente über Unterstützung beim Spracherwerb bis zur Integration in Arbeit, Schule und Freizeit. „Ich habe mich nie allein gefühlt und hier Hoffnung gefunden. Das ist nicht nur ein Büro, sondern eine große herzliche Familie in der sich jeder geborgen fühlt.“
Zum Abschluss der Redebeiträge sprach Superintendentin Jutta Rühlemann. Sie machte deutlich: „Eine Kirche ist nicht Kirche, ohne Diakonie.“ Zudem fragte sie sich, ob es sich in den heutigen unsicheren Zeiten, noch lohne das zu tun, was man tue. Ihre Antwort: „Ja, unbedingt! Da wo wir sind, treffen wir Menschen, wir retten nicht die Welt, wir sind im Miteinander mit den Menschen um uns herum.“ Rühlemann weihte offiziell die Räume ein: „Das Diakonische Werk an der Marktweide 11 ist eröffnet.“
Begegnung, Austausch und Mitmach-Aktionen
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit, die neuen Räume zu erkunden und mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Die verschiedenen Fachdienste stellten ihre Arbeit vor und luden zu Mitmachaktionen ein.
Das Trauerzentrum Anderland für Kinder und Jugendliche ließ kleine Spiegel gestalten, die zu einem großen Spiegel zusammengesetzt wurden – ein Symbol für Trauer und Trost. Ann-Catrin Wolter aus der Mitgrationsberatung bot eine Button-Werkstatt an, die regen Zuspruch fand. Für viel Gesprächsstoff sorgte auch die „Promillebrille“, präsentiert von Marvin Fazzone, der im Fachbereich der Suchtberatung tätig ist. Wer sie aufsetzte, konnte erleben, wie schwer einfachste Aufgaben unter Alkoholeinfluss werden.
So wurde der offizielle Festakt schnell zu einem Tag der Begegnung. Bei Essen, Gesprächen und einem offenen Haus zeigte sich, dass das Diakonische Werk an der Marktweide 11 nicht nur ein neues Gebäude bezogen hat, sondern einen lebendigen Ort geschaffen hat – für Beratung, Unterstützung, Gemeinschaft und Zukunft.