Osterholz-Scharmbeck – Ein ganz besonderer Ort feierte am vergangenen Donnerstag ein ebenso besonderes Jubiläum: Seit nunmehr 30 Jahren bietet die Tagesstätte im alten Museum des Diakonischen Werkes im Herzen von Osterholz-Scharmbeck einen geschützten Raum für Menschen mit psychischen Erkrankungen – einen Ort der Gemeinschaft, des Austauschs und des Wiederentdeckens von Lebensfreude.
Zahlreiche Gäste – darunter Besucher, Ehrenamtliche und Offizielle – versammelten sich bei strahlendem Sonnenschein im ältesten Bürgerhaus der Stadt in der Hundestraße, das liebevoll restauriert seit 1996 die Heimat der Einrichtung ist. Bereits bei der Eröffnung vor drei Jahrzehnten zeigten sich die Gäste beeindruckt vom Konzept, wie ein damaliger Bericht der Wümme-Zeitung dokumentiert: Ein Ort, der Menschen mit seelischen Erkrankungen annimmt, unterstützt und in die Mitte der Gesellschaft stellt.
Ein Ort der Menschlichkeit
Lotta Kohlmann, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck, eröffnete die Feierlichkeiten mit herzlichen Worten: „30 Jahre Tagesstätte bedeuten 30 Jahre gelebte Menschlichkeit und Teilhabe.“ Die Einrichtung sei nicht nur ein Ort der Unterstützung, sondern auch ein Raum zum Kraftschöpfen – gestaltet von engagierten Mitarbeitenden, die mit Herzblut bei der Sache sind. In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen und zunehmender Ausgrenzung bleibe die Arbeit der Tagesstätte wichtiger denn je: „Psychische Erkrankungen dürfen kein Grund für Ausschluss sein. Wir stehen für menschliche Vielfalt.“
Eberhard Schneider, Mitarbeiter der Tagesstätte, blickte ebenfalls mit Stolz auf die Entwicklung zurück: „Seit 30 Jahren sind wir hier im Haus, ich selbst seit 24 – und bin immer noch sehr gerne hier.“ Für die Gäste wurde eine Ausstellung mit Fotografien aus drei Jahrzehnten gezeigt, ergänzt durch eine Werkschau des langjährigen Nutzers und Künstlers S. Schanz.
Kunst mit heilender Kraft
Besonderes Augenmerk erhielt die Ausstellung „Tree“ von Schanz – eine Serie aus 16 detailreichen Acrylbildern, die mit akribischer Handarbeit entstanden. „Wenn es mir nicht gut geht, male ich – und dann geht es mir besser“, so der Künstler, der für jedes Bild über 25 Stunden investiert. Seine Werke symbolisieren eindrucksvoll den kreativen Ausdruck als Teil der persönlichen Heilung und Selbstwirksamkeit.
Auch eine Vielzahl weiterer Kunstwerke aus der Therapiegruppe, die sich seit zehn Jahren regelmäßig in der Tagesstätte trifft, schmückten die Wände – ein Beleg für die kreative Vielfalt, die hier seit Jahrzehnten gelebt wird.
Würdigung durch die Stadt und Kirche
Brigitte Neuner-Krämer, stellvertretende Bürgermeisterin von Osterholz-Scharmbeck, zeigte sich bewegt: „Ich habe den Zeitstrahl mit Stationen aus 30 Jahren angesehen – hier ist enorm viel passiert. Es ist weit mehr als Betreuung, es ist ein Ort der Begegnung und ein Schutzraum.“ Besonders beeindruckt war sie von der Bandbreite der Angebote: von Gartenarbeit und Kreativwerkstätten bis hin zu Ausflügen und gemeinsamen Urlaubsfahrten. „Ich habe großen Respekt für die Mitarbeitenden – und noch mehr für die Menschen, die den Mut aufbringen, diesen Ort zu nutzen.“
Superintendentin Jutta Rühlemann unterstrich die Bedeutung der Tagesstätte für den Kirchenkreis: „Diese Einrichtung hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch eine große Zukunft. Sie ist ein Ort, an dem Leben geteilt und getragen wird.“
Ein Blick in die Zukunft
Mit einer lebendigen Mischung aus Rückblick und Ausblick, persönlichen Geschichten, Musik, kulinarischen Angeboten und Kunst zeigte die Jubiläumsfeier eindrucksvoll, wofür die Tagesstätte im alten Museum seit 30 Jahren steht: Für gelebte Inklusion, fachliche Begleitung und eine Gemeinschaft, in der jede*r willkommen ist – ganz gleich, woher man kommt oder wie steinig der Weg war.