Eine volle Kirche zum Dank
Die St.-Willehadi-Kirche in Osterholz-Scharmbeck war am Sonntagnachmittag bis auf den letzten Platz gefüllt. Grund war ein besonderer Anlass: Der Kirchenkreis verabschiedete Superintendentin Jutta Rühlemann nach 21 Jahren in den Ruhestand.
Pastorin Birgit Spörl begrüßte die Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft herzlich: „Dich, liebe Jutta, wollen wir in diesem Gottesdienst verabschieden – mit Dank in den Ruhestand.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst feierlich gestaltet von Chor und Posaunenchor unter Leitung von Caroline Schneider-Kuhn und Florian Kubiczek.
„Die Hausordnung der Kirche sind Geschichten“
In ihrer Predigt stellte Jutta Rühlemann das Bibelwort in den Mittelpunkt: „So seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Warum braucht es Kirchengebäude, wenn Gott doch überall gegenwärtig ist? Ihre Antwort: „Die Hausordnung der Kirche ist der Altar. Sie besteht nicht aus Regeln, sondern aus Geschichten.“ Diese Geschichten hätten sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten getragen und ermutigt: „Ich habe vieles gelernt und bin immer Lernende geblieben. Gott macht Mut, weiterzumachen, auch wenn es kompliziert wird.“
Würdigungen aus Kirche und Politik
Regionalbischof Dr. Hans Christian Brandy entpflichtete die Superintendentin offiziell von ihrem Amt. „Heute endet eine Ära“, betonte er und erinnerte an die vielen Entwicklungen im Kirchenkreis – vom Aufbau des Kita-Verbands über die Stärkung der Diakonie bis hin zu neuen Strukturen. Mit einem Bild beschrieb er Rühlemanns Wirken: „Du warst eine kirchliche Änderungsschneiderin. Strukturen hast du angepasst, Menschen ermutigt. Du warst Chefin, aber nie Herrin.“
Auch in den Grußworten klang große Dankbarkeit an:
- Landrat Bernd Lütjen: „Du warst eine gute Gesprächspartnerin – ehrlich, offen, mit Herzblut.“
- Susanne Wendorf-von Blumenröder (Ephorenkonvent): „Simply the best – das gilt auch für dich.“
- Heike Schumacher (Kirchenkreissynode): „Dir lag die regionale Entwicklung der Gemeinden am Herzen.“
- Team Diakonisches Werk: „Du hast uns ermutigt, getragen und wachsen lassen.“
Ein heiterer Blick zurück
Für einen besonderen Moment sorgten Kirsten Ludewig und Uta Pralle-Häusser. In einem kleinen Theaterstück im Stil von „Forrest Gump“ saßen sie auf einer Parkbank an der „Linie Ruhestand“ und erinnerten humorvoll an Umzüge, Überraschungen und Veränderungen während der Amtszeit. „Wie bei einer Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man bekommt.“
Dankbare Schlussworte
Zum Ende ergriff Jutta Rühlemann selbst das Wort. Mit sichtbarer Rührung blickte sie auf ihre Amtszeit zurück: „Ich habe nicht alles allein gemacht – ich war immer nur ein kleiner Teil davon. Allein hätte ich nichts bewirken können. Wir waren 21 Jahre zusammen unterwegs. Es ist nicht selbstverständlich, wie viel Vertrauen mir entgegengebracht wurde. Jetzt habe ich noch eine große Aufgabe: eine Privatperson zu sein.“
Mit stehenden Ovationen und langem Applaus verabschiedete die Gemeinde ihre Superintendentin – eine Frau, die mit Herz, Klarheit und Humor das Gesicht des Kirchenkreises geprägt hat.