Mit festen Füßen in den weiten Raum

Nachricht Schwanewede, 07. Juli 2026

Jakob Schiffer ist in der St.-Johannes-Kirche Schwanewede ordiniert worden

Die St.-Johannes-Kirche in Schwanewede war voll, als Jakob Schiffer am Sonntag, 5. Juli, ordiniert wurde. Für den neuen Pastor der Kirchenregion Schwanewede war es ein besonderer Tag. Seit dem 1. Juli ist er in den Kirchengemeinden St. Johannes Schwanewede, Meyenburg und Bruch-Aschwarden tätig.

Über dem Gottesdienst stand ein Vers aus Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Dieses Wort hatte Jakob Schiffer als Ordinationsspruch gewählt. Regionalbischöfin Preuschoff nahm es in ihrer Ordinationsansprache auf. „Heute stehst du an einer Schwelle“, sagte sie. „Vieles liegt hinter dir: Jahre des Lernens, des Fragens, des Zweifelns und Hoffens. Vieles liegt vor dir: Begegnungen, die du bisher nicht kennst, Aufgaben, die du bisher nicht ahnst, Wege, die sich erst beim Gehen zeigen werden.“

Der weite Raum war an diesem Nachmittag mehr als ein Bibelwort. Er lag wie eine geöffnete Tür über dem Gottesdienst. Preuschoff sprach von der Weite Gottes, die größer sei als menschliche Vorstellungen. Sie sprach auch von Enge. Von Erwartungen. Von alten Bildern. Von dem Druck, allen gerecht zu werden. „Auch ein Pastor kann in solche Enge geraten“, sagte sie.

Jakob Schiffer bringe dafür viel mit, sagte Preuschoff. Prägung, Erfahrung, Begabung und einen klaren Blick für Menschen. In der Kirche habe er schon als Kind und Jugendlicher Gemeinschaft erlebt. Kinderkirche, Jugendgruppen, Kirchenchor und Ehrenamt gehörten zu seinem Weg. Schiffer habe einmal gesagt: „Die evangelische Kirche war immer ein Ort, an dem ich als Mensch angeschaut wurde. Ich konnte einfach sein, wie ich bin.“

Dieser Satz zog sich leise durch den Gottesdienst. Denn genau darum ging es immer wieder: Menschen sehen. Ihnen zuhören. Sie ernst nehmen. Nicht zuerst auf Gebäude, Strukturen oder fertige Antworten schauen.

Schiffers Weg ins Pfarramt war nicht gerade. Er dachte über andere Berufe nach, machte nach der Schulzeit Erfahrungen in Tansania und arbeitete später im Stadtjugenddienst mit. Eine Stunde mit Konfirmandinnen und Konfirmanden wurde für ihn wichtig. Er musste einspringen, die Jugendlichen stellten viele theologische Fragen, und Schiffer merkte, dass er Antworten finden wollte. So begann sein Weg ins Theologiestudium.

Er studierte in Göttingen, Heidelberg und Marburg. Sein Vikariat führte ihn nach Peine. Dort lernte er viele Seiten des Pfarrberufs kennen. Trauerfeiern, Konfiarbeit, Gemeindeleitung, Gottesdienste. Preuschoff erinnerte daran, dass Schiffer sich für diese Zeit vorgenommen hatte: „Ich mache erst einmal alles mit. Ich habe mir verboten, vorab zu sagen, dies oder das mache ich nicht. Und mir dadurch etwas zu verbauen.“

Gerade bei den ersten Trauerfeiern habe Schiffer erfahren, wie viel Vertrauen Menschen einem Pastor entgegenbringen. Zugleich habe er gespürt, wie groß die Aufgabe ist. Preuschoff formulierte es so: Manchmal trage nicht die Person das Amt, sondern das Amt die Person.

Dann kam der eigentliche Ordinationsakt. Die Assistentinnen und Assistenten lasen biblische Texte, beteten mit der Gemeinde und legten Jakob Schiffer die Hände auf. Mit der Handauflegung wurde sichtbar, dass die Ordination nicht allein durch eine einzelne Person geschieht. Sie ist ein Akt der Kirche. Ein Auftrag. Ein Segen. Ein Beginn. 

Warum er gerade diese Assistenten gewählt hat, wusste Jakob Schiffer genau: „Mein Vater Christoph Schiffer hat mich mit dem Gemeindeleben vertraut gemacht, Heimatdiakonin Cornelia Frieden hat mich durch die Zeit in der Evangelischen Jugend begleitet und geprägt, Pastorin Anja Jäkel war meine Vikariatsleiterin und hat mich in den ersten beiden Jahren in diesem Beruf begleitet und an die Hand genommen. Larissa Ehrbeck ist Kollegin aus dem Predigerseminar und Freundin, mit der ich viel darüber gesprochen habe, was es eigentlich bedeutet, heutzutage Pastor zu sein. Annegret Kursawsky wurde von den örtlichen Kirchenvorständen ausgewählt, da mir wichtig war, dass auch jemand aus der neuen Wirkungsstätte dabei ist.“

Nach der Ordination wandte sich Preuschoff an die Gemeinde und sagte: „Hier ist euer neuer Pastor.“ Darauf folgte minutenlanger Applaus. Der Klang füllte die Kirche, als wolle die Gemeinde selbst sagen: Wir haben verstanden. Jetzt beginnt etwas.

In ihrer Ansprache richtete Preuschoff den Blick auch nach Meyenburg und in die Kirchenregion. Dort beginnt Jakob Schiffer seinen Dienst nach einer längeren Vakanz. Viele Ehrenamtliche haben in dieser Zeit Verantwortung übernommen. Das sei kein Notbehelf, sondern eine Stärke, machte Preuschoff deutlich. Gemeinde lebe davon, „dass nicht alles an einem hängt, sondern viele aktiv sind“.

Schiffer selbst hatte schon in seiner Vorstellung gesagt, dass Kirche für ihn nicht an Gebäuden hängt. „Für die Kirche steht der Mensch im Fokus“, sagte er damals. Er will die Gemeinde gemeinsam mit den Menschen gestalten. Dinge, die schon immer so waren, dürfen aus seiner Sicht hinterfragt werden. Der klassische Gottesdienst gefällt ihm, aber Kirche darf auch neue Formen suchen.

Auch in der Ordinationsansprache klang dieser Gedanke an. „Eine Kirche, die sich nicht entwickelt, wäre keine Kirche“, zitierte Preuschoff den neuen Pastor. Die Grundlage christlicher Gemeinde seien nicht Gemarkungen oder Gebäude, sondern Wort und Sakrament.

Schwanewedes Bürgermeisterin Christina Jantz-Herrmann begrüßte Jakob Schiffer ebenfalls. Sie sprach von einem neuen Lebensabschnitt für ihn und für die Gemeinden. Gerade nach der längeren Vakanz sei seine Ankunft ein besonderer Moment. Kirche und Kommune lebten beide vom Miteinander, sagte sie. In Feuerwehren, Sportvereinen, Kindertagesstätten und Kirchen zeige sich, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt sei. Sie wünschte Schiffer einen guten Start, viele Begegnungen und offene Türen.

Birgit Spörl hieß ihn im Kirchenkreis willkommen. Sie sprach von der Kollegialität unter den Pastorinnen und Pastoren und versprach Unterstützung. „Wir halten zueinander und freuen uns, dass du da bist“, sagte sie. An die Gemeinde richtete sie eine Bitte mit einem Lächeln: Den Satz „Das war schon immer so“ solle man nicht gleich beim ersten Mal sagen. Vielleicht erst beim achten Mal.

Auch Predigerin Manuela Janssen von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Neuenkirchen grüßte den neuen Kollegen. „Lieber Bruder Jakob“, begann sie und bemerkte schmunzelnd, sie müsse nun aufpassen, nicht zu singen. Sie erinnerte an ihren eigenen feierlichen Moment im vergangenen Jahr und wünschte Schiffer, dass der weite Raum ihn mit Worten fülle.

Für Jakob Schiffer beginnt nun der Dienst in einer Kirchenregion, die er erst kennenlernt und zugleich schon mitgestaltet. Sein Ordinationsspruch bleibt dabei mehr als ein schöner Vers. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Die Füße bleiben auf dem Boden. Der Blick geht weiter.