Seit 65 Jahren dort, wo das Leben aus dem Takt gerät

Nachricht Hambergen, 21. Juni 2026

Dorfhelferinnenstation Hambergen feiert Jubiläum

Jutta Wätje, Anja Münsterberg, Elke Näwig und Dörte Garbade bilden das Team der Hamberger Dorfhelferinnenstation

„Heute hier, morgen dort.“ Als das Dorfhelferinnenlied beim Jubiläum der Hamberger Dorfhelferinnenstation angestimmt wird, nicken viele in der Kirche. Die Zeilen beschreiben einen Beruf, der seit Jahrzehnten Menschen begleitet, oft genau dann, wenn der Alltag plötzlich aus den Fugen gerät.

Die Dorfhelferinnenstation Hambergen besteht seit 1961. Sie gehört zum Evangelischen Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen und feierte ihr 65-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst und einem anschließenden Beisammensein im Hofcafé Oldenbüttel.

Das Lied erzählt von Menschen, die kommen, helfen und weiterziehen. Genauso erleben es die Familien, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ein Unfall. Eine schwere Krankheit. Eine Geburt. Ein Angehöriger fällt aus und das fein austarierte Gefüge des Alltags gerät ins Wanken. Dann steht oft eine Dorfhelferin vor der Tür.

„Jemand kocht Mittag, sorgt dafür, dass der Alltag weitergeht. Das klingt wenig spektakulär, macht aber den Unterschied“, sagte Pastor Björn Beißner in seiner Ansprache. Gerade in solchen Situationen zeige sich, wie wertvoll ein Netz sei, das Menschen auffange.

Die Hamberger Station ist eine der Kleinsten im Verband, wenn nicht sogar die Kleinste. Einsatzleiterin Elke Näwig arbeitet mit drei Dorfhelferinnen zusammen: Dörte Garbade, Anja Münsterberg und Jutta Wätje. Zusammen bringen die drei Frauen mehr als ein Jahrhundert Berufserfahrung mit.

„Wir feiern klein und unaufgeregt. Wir stehen nicht gern im Rampenlicht“, sagte Näwig. Dass die Station nach 65 Jahren noch eigenständig besteht, sei alles andere als selbstverständlich. Viele kleinere Standorte seien in den vergangenen Jahren aufgegeben oder größeren Einheiten angeschlossen worden. „Wir sind ein wenig wie das kleine gallische Dorf bei Asterix und Obelix.“

Die Arbeit hat sich verändert. Früher führten viele Einsätze auf landwirtschaftliche Betriebe. Heute arbeiten Dorfhelferinnen häufiger in Familien und Privathaushalten. Geblieben ist die Vielfalt. Kein Einsatz gleicht dem anderen.

„Selbst wenn es euch nicht gut geht, lasst ihr die Familien nicht im Stich“, sagte Näwig mit Blick auf ihre Mitarbeiterinnen. Oft komme die Anfrage kurzfristig. Planbar sei in diesem Beruf wenig. „Morgen geht es los“ sei kein ungewöhnlicher Satz.

Das spiegelt sich auch in den Lebenswegen der Dorfhelferinnen wider.

Jutta Wätje fand ihren Beruf schon als Jugendliche. Auf dem elterlichen Hof erlebte sie selbst eine Dorfhelferin im Einsatz. „Da habe ich gedacht: Das ist was für mich“, erinnert sie sich. Noch heute schätzt sie die Abwechslung. „Es ist immer etwas Neues. Jeder Einsatz bringt andere Herausforderungen mit.“

Auch Anja Münsterberg entdeckte ihren Beruf früh. Während eines Schulpraktikums arbeitete sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. „Das hat viel Spaß gemacht und der Berufswunsch stand schnell fest“, erzählt sie. Kühe melken, Kälber versorgen, Trecker fahren – genau diese Mischung habe sie begeistert.

Für Dörte Garbade liegt die Stärke des Berufs bis heute in seiner Vielfalt. „Mir ist nie langweilig“, sagt sie. „Es gibt so viele unterschiedliche Familien. Und manchmal ist es schade, dass man wieder gehen muss.“

Vielleicht steckt genau darin die besondere Rolle der Dorfhelferinnen. Sie kommen auf Zeit. Sie übernehmen Verantwortung. Sie geben Halt. Und wenn das Leben wieder in ruhigeren Bahnen läuft, ziehen sie weiter.

Oder, wie es im Dorfhelferinnenlied heißt: „Heute hier, morgen dort.“

Seit 65 Jahren ist das in Hambergen keine Liedzeile. Es ist gelebter Alltag.