Marcus Franke berät Menschen auf ihrem Weg durch den Behördendschungel

Nachricht Osterholz-Scharmbeck , 12. Juli 2026

Die Tür der Migrationsberatung im Diakonischen Werk Osterholz-Scharmbeck steht nun noch ein Stück weiter offen. Seit dem 1. April verstärkt Marcus Franke das Team an der Marktweide. Gemeinsam mit Ann-Catrin Rathjen, vielen noch bekannt unter dem Namen Wolter, bilden die beiden jetzt die wieder vollständig besetzte Beratungsstelle für Migration.

Für Franke ist die neue Aufgabe kein Neuland. Seit rund 15 Jahren beschäftigt er sich mit Migration, Flucht und Integration. Bereits während seines Studiums engagierte er sich ehrenamtlich, sein Steckenpferd damals: Kirchenasyl. Später arbeitete er in der Flüchtlingsberatung der Diakonie in Wuppertal. Zuletzt war der Diplom-Sozialwissenschaftler in einem Forschungsprojekt der Universität Bremen tätig.

Den Wechsel zurück in die Beratung beschreibt er als bewusste Entscheidung. „Ich habe die praktische soziale Arbeit vermisst“, sagt Franke. „Ich versuche, Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.“

Genau dort setzt die Arbeit der Migrationsberatung an. Wer neu nach Deutschland kommt, steht oft vor einem Berg aus Formularen, Gesetzen und Zuständigkeiten. Für viele wirkt dieser Berg wie ein Labyrinth ohne Wegweiser. Franke und Rathjen helfen dabei, Orientierung zu finden.

Die Beratung richtet sich an Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, Deutsche mit internationaler Familiengeschichte, binationale Paare sowie Institutionen und Organisationen. Die Unterstützung ist freiwillig, kostenlos, vertraulich und unabhängig.

Ein großer Teil der Arbeit beginnt bei ganz praktischen Fragen. Die Beratungsstelle hilft beim Ausfüllen von Anträgen, etwa für Bürgergeld, Kindergeld oder Wohngeld. Sie unterstützt bei aufenthaltsrechtlichen Fragen, Familienzusammenführungen und Einbürgerungsverfahren. Auch bei der Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen begleitet die Beratungsstelle die Ratsuchenden.

„Es ist erstaunlich viel, was nicht anerkannt wird“, berichtet Franke. Oft sei es schwierig herauszufinden, welche Stelle für die Bewertung zuständig sei und welche Nachweise benötigt werden.

Besonders deutlich zeigen sich die Herausforderungen bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Viele Geflüchtete bringen berufliche Qualifikationen mit, stoßen aber auf bürokratische Hürden. Gleichzeitig verschärft die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt die Situation zusätzlich.

„Es gibt so viele Stolpersteine, bei denen wir helfen wollen, sie aus dem Weg zu räumen“, sagt Franke.

Auch gesundheitliche Probleme oder unsichere Aufenthaltsperspektiven beschäftigen viele Ratsuchende. Gerade Menschen mit Duldungsstatus stehen häufig vor schwierigen Entscheidungen und rechtlichen Fragen. Hier begleiten Franke und Rathjen die Betroffenen durch Verfahren, erklären Bescheide und vermitteln bei Bedarf weitere Hilfen.

Eine besondere Herausforderung bleiben Sprachbarrieren. Doch auch dafür gibt es Lösungen. Direkt am Schreibtisch liegt eine Liste mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern. Bei Bedarf werden sie telefonisch zugeschaltet. „Das Problem ist dann oft schnell gelöst“, sagt Franke.

Der 45-Jährige setzt dabei auf persönliche Begegnungen. Schon in den ersten Wochen hat er Kontakte zu Behörden, Einrichtungen und Netzwerkpartnern geknüpft. Für ihn beginnt gute Beratung mit einer einfachen Haltung.

„Mir ist wichtig, Menschen als Menschen ernst zu nehmen“, sagt er.

Ann-Catrin Rathjen: „Wer zu uns in die Migrationsberatung kommt, findet immer ein offenes Ohr. Hierbei schauen wir gemeinsam mit den Klient*innen, wie eine gute Integration in Deutschland gelingen kann, denn die deutsche Bürokratie kann schnell zu Überforderung führen. Oft ist es ein Abwägen zwischen der Integration über Sprachkurse und über den Arbeitsmarkt. In jedem Fall unterstützen wir bei der Suche nach einem Integrationskursplatz, bei den Anträgen für den Zugang zum Sprachkurs oder auch bei der Vermittlung möglicher Arbeitsstellen.“

Diese praktische Hilfe sei wichtig, erzähle jedoch nur die halbe Geschichte der Klienten. Denn oft seien sie zerrissen zwischen der Angst, das neue Zuhause verlassen zu müssen, und der Sehnsucht nach dem eigenen Herkunftsland. Diese Menschen fühlen sich abgelehnt in unserer Gesellschaft, sie spüren, dass Ressentiments da sind, verstehen aber nicht, woher diese kommen. 

Rathjen führt aus: „Alle kommen mit der Idee, schnell selbst arbeiten und einen Beitrag leisten zu können, werden dabei aber ausgebremst und frustriert. In diesen Situationen sind wir als Team dankbar, dass es niederschwellige Angebote wie das ‚Café International‘ in St. Willehadi gibt. Hier finden geflüchtete Menschen einen Ort, an dem sie willkommen sind und an dem sie bei einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen ebenfalls ein offenes Ohr finden. Im besten Fall entstehen über die Kontakte im Café neue interkulturelle Freundschaften, die Sicherheit, Wertschätzung und Hoffnung in einer Zeit begrenzter Möglichkeiten bieten.“

Kontakt:

Diakonische Werk Osterholz-Scharmbeck (Migration)

Ann-Catrin Rathjen und Marcus Franke

Telefon 04791 80680

Mail: migrationsarbeit.dw.osterholz-scharmbeck@evlka.de

Marktweide 11, 27711 Osterholz-Scharmbeck