Abschied von einem Pastor, der Räume öffnete

Nachricht Lilienthal, 17. Juni 2026

Wildrik Piper nimmt Abschied von Lilienthal

Die Kirche war zum Abschied von Pastor Wildrik Piper außergewöhnlich voll. Der Gottesdienst am vergangenen Sonntag in der Lilienthaler Klosterkirche zeigte, wie tief er in der Gemeinde verankert ist. Die gedruckten Programmhefte reichten nicht aus. Das passte zu diesem Nachmittag, der kein formaler Akt blieb, sondern ein Abschied mit Gewicht war.

In seiner Predigt sprach Wildrik Piper über Enge und Weite. „So ein Abschied fühlt sich eng an“, sagte er. Zugleich hielt er dagegen, dass die Güte so weit reiche wie der Himmel und es auch ohne ihn weitergehe, da in der Gemeinde viel Kraft und Verlässlichkeit liege.

Er griff den evangelischen Wochenspruch auf: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mattäus 11,28). Piper sagte dazu: „Ich habe mir den Spruch nicht ausgesucht. Den sollen wir nehmen. Der passt.“ In diesem Satz lag viel von dem, was seinen Dienst geprägt hat: Nähe, Offenheit und ein klarer Blick auf das, was Menschen benötigen.

Dieser Blick zog sich durch die Predigt. Piper sprach von Kindern in den Kitas, von Jugendlichen, die auch nach der Konfirmation bleiben, und von einer Kirche, die Menschen sieht, ohne sie festzuhalten wie eine Hand, die sich schließt. „Auch die, die gar nicht kommen, sind uns sehr willkommen“, sagte er. „Man muss nicht kommen.“

Dank für zehn Jahre

Die Entpflichtung übernahm Pastor Hans-Jürgen Bollmann, stellvertretender Superintendent. Er erinnerte an Stationen aus Pipers Leben und Dienst: geboren in Göttingen, aufgewachsen in Hannover, Studium in Göttingen und Heidelberg, Vikariat in Berlin, erste Pfarrstelle in Wolfsburg. Seit 2016 wirkte Piper in Lilienthal.

Bollmann zeichnete das Bild eines Pastors, der unterwegs ist und dabei nie beliebig wirkt. Er sprach von einer offenen Kirche, von Verlässlichkeit und von jemandem, der auch in schweren Lagen nicht ausgewichen ist. Die Notfallseelsorge gehörte ebenso dazu wie besondere Gottesdienste und die Musik, denn Piper prägte manche Anlässe auch mit seiner Querflöte.

Dr. Martin Heinlein, Vorsitzender des Kirchenvorstands, dankte Piper für zehn intensive Jahre. Er erinnerte an die Corona-Zeit, an das Entstehen des Gemeindezentrums und an viele gemeinsame Aufgaben. „Wenn jemand gebraucht wurde, sagtest du: ,Ja, das kann ich machen‘“, sagte Heinlein.

Er beschrieb einen Pastor, der Ideen einbrachte, Verantwortung übernahm und dabei den richtigen Ton traf. Das galt für den Alltag genauso wie für besondere Formate, etwa bei den Pfingstmärkten. So entstand das Bild eines Menschen, der nicht laut um Raum bat, sondern ihn verlässlich füllte.

Musik, Begegnung, Nachklang

Der Gottesdienst dauerte beinahe zwei Stunden. Es gab mehrere Grußworte, viele Geschenke und viel Musik. Besonders der Bachchor aus Lilienthal prägte den Nachmittag und gab ihm einen Klang, der blieb.

Nach dem Gottesdienst ging es bei Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus weiter. Auch dort war es proppenvoll. Wildrik Piper kam kaum bis zum Kuchen, weil so viele Menschen das persönliche Wort mit ihm suchten.

So endete dieser Abschied nicht kühl und geordnet, sondern dicht und menschlich. Er hatte etwas von einem Haus, dessen Türen weit offenstehen, um alle willkommen zu heißen, obwohl gerade jemand hinausgeht.