Einfach heiraten: 15 Minuten für den großen Moment

Nachricht Lilienthal, 30. Juni 2026

Zwischen Kirche, Pavillon und Pfarrgarten fanden 30 Paare Zeit für ihre Geschichte und Gottes Segen

Als Pastor Henning Mahnken Lea und David Salifu mit den Worten „Heute ist euer Moment. Zumindest für 15 Minuten“ begrüßt, huscht ein Lächeln durch die voll besetzten Kirchenbänke. Draußen flimmert die Hitze über den Wiesen von St. Jürgen. Drinnen beginnt die erste Trauung des Tages. So startet die Aktion „einfach heiraten“ im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck, bei der Paare ohne großen Aufwand kirchlich heiraten oder sich segnen lassen können.

Rund 30 Paare hatten sich für den Tag angemeldet. Einige sagten wegen der Rekordhitze kurzfristig ab. Die Nachfrage war dennoch groß. Die Termine in der Kirche waren früh vergeben. Neben der historischen St.-Jürgens-Kirche standen deshalb ein Pavillon im Schatten alter Grabsteine und die Terrasse hinter dem ehemaligen Pfarrhaus als weitere Segnungsorte bereit. Vor jeder Trauung nahmen sich Pastorinnen und Pastoren Zeit für ein persönliches Gespräch. Daraus entstanden Gebete und Worte, die nur zu diesem einen Paar passten.

Der Tag begann für alle im Küsterhaus. Dort wurden die Paare begrüßt, Urkunden vorbereitet und Musikwünsche aufgenommen. Wer noch keinen Trauspruch gefunden hatte, durfte einen aus einem Glas ziehen. Danach führte der Weg zu Kirche, Pavillon oder Terrasse. Nach jeder Trauung warteten ein Sektempfang, Kaffee und Kuchen, ein Fototermin, vorher Brautstrauß und Anstecker, die allen Paaren zur Verfügung standen.

Viele Paare entschieden sich bewusst gegen eine große Feier. Sie suchten den kirchlichen Segen und einen persönlichen Moment.

So auch Mareike und Sören Lepszy. Zehn Jahre nach ihrer standesamtlichen Hochzeit standen sie mit ihren drei Söhnen im Pavillon. „Vor zehn Jahren fehlte das nötige Kleingeld für eine große Feier mit kirchlichem Segen. Heute brauchen wir die große Feier nicht mehr“, sagt Mareike Lepszy. Nach der Trauung ging es für die Familie wieder nach Hause. „So einfach läuft das bei einfach heiraten.“

Ähnlich verlief die Trauung von Heike und Tobias. Neben den beiden waren nur Heikes Mutter und Trauzeuge Buddy dabei, ihr Hund mit Blumenstecker am Halsband. Pastorin Friederike Köhn erinnerte an den gemeinsamen Weg des Paares und sagte: „Zeit für Liebe und Geschichten.“

Auch Regina und Martin nutzten die Gelegenheit nach 23 Ehejahren. Die Kirche war bereits ausgebucht. Das störte sie nicht. „Wir haben die Anzeige gelesen und sofort gedacht: Das ist unseres“, erzählen sie. Pastorin Kirsten Ludewig griff den besonderen Ort auf. „Hier im Pavillon mit der Kirche im Hintergrund passt das doch.“

Besonders spontan verlief die Trauung von Birgit Assmann und Stefan Wollny. Erst einen Tag zuvor erfuhren sie, dass ein Termin frei geworden war. Martina Rust aus dem Ortskirchenvorstand hatte an das Paar gedacht, nachdem eine Absage eingegangen war. Wenige Stunden später sagten beide zu. „Es kam halt immer das Leben dazwischen“, erzählt Stefan Wollny über die vielen Jahre bis zur Trauung. Den Trauspruch zogen sie kurz vor der Zeremonie. Gleich der erste passte: „Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen.“

Nach dem Segen erklang „Hallelujah“, gesungen vom Chor St. Willehadi unter der Leitung von Caroline Schneider-Kuhn mit Solistin Julia Trageheim. Gänsehaut. Für einen Moment schien selbst die flirrende Hitze draußen stillzustehen.

Groß gefeiert wurde anschließend trotzdem nicht. „Wir feiern einfach, wie einfach heiraten. Gleich geht es wieder nach Hause. Aber das Angebot, hier so einfach zu heiraten, das ist so toll“, sagt Birgit Assmann. Ihr Mann ergänzt: „Sonst muss man sich erst anmelden und so viel mehr drum herum.“

Genau das machte den Tag in St. Jürgen aus. Keine aufgeblähte Feier und kein festes Schema. Stattdessen bekamen die Paare Zeit, Aufmerksamkeit und einen Segen, der zu ihrer eigenen Geschichte passte. Mal mit einer voll besetzten Kirche, mal nur mit einem Hund als Trauzeugen. Immer aber mit dem Gefühl, dass dieser Moment ganz ihnen gehörte.

So zeigte sich auch die stellvertretende Superintendentin Birgit Spörl begeistert: „Der Tag wurde von einem großen Kreis von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck vorbereitet und durchgeführt. Das Vorbereitungsteam hat viel Unterstützung erfahren, von Bürgerverein über Musizierende und Chöre bis hin zu vielen Jugendlichen und mitarbeitenden PastorInnen. Ihnen sei herzlich gedankt! Sie alle teilen die Erfahrung: Es hat sich gelohnt. Die Freude der Paare und das fröhliche Miteinander haben auf allen Seiten Freude gemacht. Und mehr als einmal fiel der Satz: ‚Und wann ist das nächste Mal?‘“