Jakob Schiffer beginnt als Pastor in der Kirchenregion Schwanewede

Nachricht Schwanewede, 16. Juli 2026

Jakob Schiffer ist angekommen. Noch stehen nicht alle Dinge an ihrem Platz. Noch ist Meyenburg neu. Doch der Empfang im Dorf hat ihm den Start leicht gemacht. Als er mit seinem Mann Jonas in das Pastorenhaus neben der Meyenburger Kirche einzog, kamen die Nachbarn mit einem Bollerwagen vorbei. Sie hatten Kaltgetränke dabei, schmückten Eingangstür und Pforte und stellten sich mit Namen und Hausnummer vor.

„Es gibt gute Voraussetzungen, sich hier wohlzufühlen“, sagt Jakob Schiffer.

Seit dem 1. Juli ist der 30-Jährige neuer Pastor in der Kirchenregion Schwanewede. Dazu gehören die Gemeinden Schwanewede, Meyenburg und Bruch-Aschwarden. Schiffer teilt sich die Arbeit zunächst mit Pastorin Martina Servatius. Sie geht zum Jahresende in den Ruhestand. Für Schiffer ist es die erste Stelle nach dem Vikariat. Er kommt aus Peine, wo er zwei Jahre in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde gearbeitet hat.

Der Weg nach Meyenburg führt ihn zugleich näher an seine alte Heimat. Jakob Schiffer ist in Bremerhaven geboren und in Schiffdorf aufgewachsen. „Uns war klar, dass wir wieder näher bei der Familie wohnen wollen“, sagt er. Sein Mann Jonas stammt aus Franken. Kennengelernt haben sich beide während des Studiums in Marburg. Gemeinsam suchten sie einen Ort zwischen Bremen und Bremerhaven. Als im Probedienst die möglichen Stellen zur Wahl standen, entschied sich Schiffer für Meyenburg.

Seine Familie kannte den Ort schon. Sein Vater habe auf die Nachricht trocken reagiert: „Ins Museumsdorf.“

Das Dorf haben Jakob und Jonas Schiffer noch nicht ganz erkundet. Im Melkhus waren sie aber schon Eis essen. Auch das Pfarrhaus wird Stück für Stück zum Zuhause. Schiffer kommt aus einer Heimwerkerfamilie. Deshalb war klar, dass Küche und Lampen nicht einfach nur bestellt werden. Sie wurden selbst aufgebaut und angebracht. Bei drei Meter hohen Decken und kurzer Leiter wurde das zur ersten Prüfung vor Ort.

Pastor war nicht Schiffers erster Berufswunsch. „Ich wusste nur, ich wollte kein Tierarzt werden und auch nicht selbstständig“, sagt er. Dafür hatte er zu genau gesehen, wie viel Arbeit im Beruf seines Vaters steckte. Eine Zeit lang dachte er an Mathematiklehrer, Elektriker oder Ingenieur. Er bewarb sich sogar auf duale Studienplätze bei Bosch und Volkswagen.

Schon als Jugendlicher war er in der Kirche aktiv. In der Kinder- und Jugendarbeit in Schiffdorf leitete und begleitete er Gruppen und Freizeiten. Später arbeitete er in kirchlichen Jugendgremien mit. Dort erlebte er, was ihn bis heute an Kirche trägt. „Dass man dort mit offenen Armen empfangen wird, hat mir immer besonders gefallen“, sagt er.

Zuerst wollte er Diakon werden. Dann merkte er als Teamer, dass Konfirmandinnen und Konfirmanden Fragen stellten, auf die er keine Antwort wusste. Das wollte er ändern. So rückte das Theologiestudium näher. Die alten Sprachen schreckten ihn nicht ab, auch wenn er Menschen kannte, die genau daran gescheitert waren. „Alt-Hebräisch oder Alt-Griechisch spricht kein Mensch mehr“, sagt er. „Aber es geht ums Lesen und Verstehen.“

Nach dem Abitur führte ihn eine spontane Reise nach Tansania. Ein Freund hatte ihn gefragt, ob er mit nach Kenia kommen wolle. Daraus wurde nichts. Stattdessen ging es für drei Monate nach Tansania. Dort betreute Schiffer Kinder nach der Schule. Er baute mit ihnen Musikinstrumente aus Bambus und alten Stahlfässern, Flöten aus Bambusrohr und Didgeridoos. Die Reise war privat organisiert. Im Oktober entschieden, im Januar gestartet. Geld gab es kaum. Gearbeitet wurde gegen Kost und Logis.

„Ich war die Memme“, sagt Schiffer und lacht, wenn er vom Heimweh erzählt. Trotzdem prägte ihn diese Zeit. Es war seine erste große Reise. Sie gab ihm Raum, über seinen Weg nachzudenken. „Der Wunsch, Pastor zu werden, ist dabei gereift“, sagte er auch im Pressegespräch vor seinem Dienstbeginn.

Er studierte Theologie in Göttingen, Heidelberg und Marburg. Während des Studiums sah er schon, wie sich die Lage der Kirche veränderte. In Göttingen hätten damals noch 38 Menschen mit ihm Theologie begonnen. Heute könne man die neuen Studierenden vielerorts an einer Hand abzählen. Der Pastorenmangel werde weiterwachsen, sagt Schiffer. Gerade deshalb setzt er auf gemeinsames Arbeiten.

„Eine Kirchengemeinde ist keine One-Man-Show“, sagt er. Entscheidend sei nicht nur, wie viele Pastorinnen und Pastoren eine Gemeinde habe. Entscheidend sei, wie viele Menschen sich einbringen.

In Peine lernte Schiffer viele Seiten des Pfarrberufs kennen. Er führte Trauergespräche, gestaltete Gottesdienste und arbeitete mit Kindern, Jugendlichen und Konfirmanden. Anfangs begleitete er erfahrene Pfarrpersonen. Später übernahm er Aufgaben selbst. Schiffer nennt das mit einem Augenzwinkern „Dackelpraktikum“. Er arbeitete mit fünf Pfarrpersonen zusammen. Dabei sah er verschiedene Stile, Stärken und Zugänge.

„Ich habe mich rundum vielseitig betreut gefühlt“, sagt er.

Für seine Ordination am 5. Juli in der St.-Johannes-Kirche Schwanewede hat sich Jakob Schiffer einen Vers aus Psalm 31 ausgesucht: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Dieser weite Raum ist für ihn zuerst die Kirchenregion Schwanewede. Er will die Menschen, Orte und Traditionen kennenlernen. Zugleich beschreibt der Vers für ihn die Gemeindearbeit selbst. Kirche sei nicht festgelegt auf ein Gebäude, einen Stil oder ein Format.

„Kirche sind nicht die Gebäude“, sagt Schiffer. „Für die Kirche steht der Mensch im Fokus.“

Er mag den klassischen Gottesdienst. Er sagt aber auch, dass Gottesdienste kreativer werden dürfen. In Peine hat er etwa einen Tanzgottesdienst gestaltet. Für Schwanewede, Meyenburg und Bruch-Aschwarden bringt er noch keine fertigen Pläne mit. Er möchte zuerst zuhören. Er will verstehen, was vor Ort gewachsen ist. Dann will er gemeinsam mit den Gemeinden prüfen, was bleibt und was sich verändern darf.

„Dinge, die schon immer so waren, muss man hinterfragen“, sagt er. Nicht, um sie abzuräumen. Sondern um zu sehen, ob sie noch tragen.

Die ersten Tage haben ihm Mut gemacht. Er hat viele Menschen kennengelernt. Er sieht Baustellen, aber auch Kraft. „Es ist ein gutes, produktives Miteinander“, sagt Schiffer. „Das habe ich gleich gemerkt.“

Meyenburg gefiel ihm vom ersten Blick an. Sein Mann Jonas fand dafür schon einen Satz, der bleibt: „Hier möchte ich alt werden.“

Jakob Schiffer steht am Anfang seines Dienstes. Schiffer bringt Freude an Technik mit, Lust auf Gestaltung und Nähe zu Menschen. Er weiß, dass Kirche sich verändert. Er sieht das nicht als Untergang. Eher wie ein Haus, in dem die Möbel gerückt werden, während nebenan schon Kaffee gekocht wird. Nicht alles steht richtig. Aber Menschen sind da. Und genau dort beginnt für ihn Kirche.