Als Lea und David Salifu vor zehn Jahren im Hochtiedshuus in Bremen-Oberneuland standesamtlich heirateten, stand eine kirchliche Trauung noch in den Sternen. Am 26. Juni sagen sie nun auch in der St.-Jürgens-Kirche Ja zueinander – im Rahmen der Aktion „einfach heiraten“.
„Es fühlt sich richtig an. Es fühlt sich gut an“, sagt Lea Salifu. Auch während der Jahre in Hamburg riss der Kontakt zur Kirche nicht ab. Zwei Kinder ließ die Familie, noch mit Wohnsitz in Hamburg, in Lilienthal taufen. Heute singen Lea wie auch ihre Kinder in verschiedenen Lilienthaler Kirchenchören, Tochter Nele besuchte die evangelische Kita. Lea Salifu: „Für mich waren Kirche und Gemeinde schon immer eins.“
Kennengelernt haben sich Lea und David während ihres Studiums in Bremen. Lea stammt aus Lilienthal, David aus Bremerhaven. Nach dem Studium zog es beide beruflich nach Hamburg. Vor drei Jahren kehrte die Familie mit den Kindern Liam, Noah und Nele nach Lilienthal zurück.
Der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung begleitete sie. Verbunden war dieser Wunsch auch mit Pastor Wildrik Piper, den beide sehr schätzen. „Den Gedanken, kirchlich zu heiraten, hatten wir schon länger“, erzählt David Salifu. „Als dann klar war, dass Wildrik Piper in den Ruhestand geht und uns nicht mehr trauen kann, haben wir gedacht: Dann halt nicht. Als wir von ‚einfach heiraten‘ hörten, kam noch mal ordentlich Wind in die Segel.“
Zum ersten Mal hörte Lea Salifu Anfang des Jahres von der Aktion. Sie arbeitet im Organisationsteam der Kinder- und Jugendchöre mit und erfuhr dort von dem Angebot. Die Entscheidung fiel schnell.
Am 26. Juni um 15 Uhr werden Lea und David Salifu als erstes Paar in der St.-Jürgens-Kirche getraut. Die Plätze in der Kirche waren begehrt und inzwischen vollständig vergeben. „Wir wollten den frühesten Termin, dann können wir länger feiern“, sagt Lea Salifu und lacht.
Die Feier danach passt zum Gedanken von „einfach heiraten“. Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt geht es zum Campingplatz Vierhausen. Auf einer Wiese wird gegrillt. Rund 50 Gäste sind eingeladen. Jeder bringt etwas zu essen oder zu trinken mit. Falls Regen kommt, schrumpft die Feier auf den engsten Familienkreis zusammen. Auch das gehört für die Familie zur Gelassenheit dieses Tages.
Eine besondere Aufgabe hat Tochter Nele übernommen. Die Sechsjährige kümmert sich um den Brautstrauß. Dafür will sie viele Wildblumen pflücken.
Selbst der Hochzeitsanzug von damals kommt noch einmal zum Einsatz. Die Anprobe fand erst vor wenigen Tagen statt. Der „alte Zwirn“, wie David ihn nennt, passt noch immer.
Auch den Trauspruch haben die beiden bereits gefunden: „Dient einander mit den Fähigkeiten, die Gott euch geschenkt hat – jeder und jede mit der eigenen, besonderen Gabe.“
Dass Beziehungen wachsen, zeigt bei den Salifus ein Baum im Garten. Zum Polterabend vor zehn Jahren bekamen sie einen Kirschbaum geschenkt. Im ersten Jahr trug er gleich zwei Kirschen, die weiteren Jahre in Hamburg aber keine mehr. Trotzdem zog er Jahre später mit von Hamburg nach Lilienthal um. Ausgebuddelt, transportiert und wieder eingepflanzt, bedankte sich der Baum mit sechs Früchten. Für Lea und David ist ihr Baum ein Symbol des Dranbleibens und der Weiterentwicklung, des Hoffens und aneinander Glaubens. Deswegen musste der Kirschbaum auch mit aufs Bild. Lea Salifu: „Und wer weiß, vielleicht sitzen wir in weiteren zehn Jahren im Garten und essen Kirschkuchen.“
Die Aktion „einfach heiraten“ gehört zu einer bundesweiten Initiative der evangelischen Kirche. In St. Jürgen erhalten Paare am 26. Juni unkompliziert die Möglichkeit, sich kirchlich trauen oder segnen zu lassen. Das Angebot richtet sich an frisch Verliebte, langjährige Paare und Menschen, die bereits standesamtlich verheiratet sind. Wegen der großen Nachfrage wurde in Sankt Jürgen ein zusätzlicher Segnungsort eingerichtet. Die Termine in der Kirche selbst waren schnell vergeben.
Für Lea und David Salifu steht an diesem Tag jedoch nicht die Organisation im Vordergrund. Sie freuen sich auf einen kurzen Gottesdienst mit Familie, Freunden und vertrauten Menschen. Und auf einen Sommernachmittag, der so schlicht bleibt wie die Idee dahinter: einfach heiraten.