Abschied mit Dankbarkeit und Blick nach vorn

Nachricht Lilienthal, 23. Juni 2026

Pastor Wildrik Piper verabschiedet sich nach zehn Jahren aus der Kirchengemeinde

Lilienthal. Zum 1. Juli geht der 63-Jährige drei Jahre vor dem regulären Ruhestand in den Vorruhestand. Seine letzten Wochen im Dienst verbringt er so, wie er viele Jahre gearbeitet hat: mit Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Gesprächen. „Das ist jetzt wie ein Erntedankfest für mich“, sagt er. „Ich war zehn Jahre in Lilienthal mit vielen Beziehungen auf Zeit, manchmal kurz und intensiv.“

Besonders verbunden ist Piper mit dem Ortsteil St. Jürgen. Dort lebte er mit seiner Frau Palma direkt neben der Kirche. Die kleine Kirchengemeinde in der weiten Landschaft hat ihn geprägt. „Kleiner als in St. Jürgen geht es nicht“, sagt er. „Die Abgeschiedenheit hat mir sehr gefallen. Ich habe die Zeit in St. Jürgen sehr genossen.“

Der Weg ins Pfarramt war ihm nicht in die Wiege gelegt, obwohl beide Eltern Pastorin und Pastor waren, merkte Piper augenzwinkernd an. Die Entscheidung fiel während seiner Jugendzeit in Hannover. Dort engagierte er sich in der kirchlichen Jugendarbeit, fuhr auf Freizeiten mit und erlebte Gemeinschaft. „Das war ausgesprochen toll“, erinnert er sich.

Sein Theologiestudium führte ihn nach Göttingen und Heidelberg. Das Vikariat absolvierte er Anfang der 1990er-Jahre in Berlin, kurz nach dem Fall der Mauer. Die Zeit hinterließ Spuren. „Wir haben einen buddhistischen Tempel besucht und viele Religionen entdeckt. Das war auch für mich sehr spannend.“ Nach Stationen in Wolfsburg und Langlingen bei Celle bewarb er sich 2016 auf die Pfarrstelle in Lilienthal.

Zwei Dinge gaben damals den Ausschlag: die Arbeit im Team und die starke Kirchenmusik. Beides hat sich für ihn erfüllt. „Ich habe sehr profitiert vom Team, von allen Hauptamtlichen und von der Musik.“ Gerade die Kirchenmusik sei eine tragende Säule der Gemeindearbeit. Viele Gottesdienste, Konzerte und Begegnungen hätten dadurch eine besondere Tiefe bekommen.

Wenn Piper auf seine Jahre in Lilienthal zurückblickt, spricht er vor allem von Menschen. Von Vertrauen. Von Begegnungen. Von Momenten großer Freude und tiefer Trauer.

„Ich habe alles als großes Geschenk erlebt“, sagt er. „Als Pastor viel Vertrauen bekommen, ins Haus gelassen und mit offenen Armen aufgenommen.“ Besonders Taufen, Trauungen und Beerdigungen seien ihm ans Herz gewachsen. „Die Menschen erwarten etwas und bekommen es auch. Ich finde gut, was wir machen.“

Sein Dank richtet sich nicht nur an Pastorinnen und Pastoren oder Ehrenamtliche. Er nennt die Mitarbeitenden in den Kitas, im Büro, auf den Friedhöfen und in der Verwaltung. Für ihn entsteht Gemeindearbeit aus dem Zusammenspiel vieler Menschen. „Alles greift ineinander wie bei der Musik. Der Dirigent hebt den Stab und die Musik erklingt. Aber die ganze Arbeit dahinter wird nicht gesehen.“

Besondere Freude bereitete ihm in den vergangenen Jahren die Ausbildung von Lektorinnen und Lektoren im Kirchenkreis. Die Fragen und Erfahrungen der Teilnehmenden schätzte er sehr. „Das Hinterfragen ist immer wertvoll. Da bringen viele ihre Erfahrungen mit, die ich nicht habe.“

Bereits im Frühjahr sind Wildrik Piper und seine Ehefrau Palma nach Hude bei Oldenburg umgezogen. Dort haben sie ein Haus mit viel Land gefunden. Mitgenommen haben sie auch ihre Schafe, die nun zwischen Wiesen und Feldern grasen. „Hier scheint es ihnen sehr gut zu gehen“, sagt Piper und lacht, während aus dem Hintergrund zustimmendes Blöken zu hören ist.

An Ruhestand denkt er dabei nur bedingt. Er bildet sich bereits im Bereich Coaching weiter und möchte künftig mit Menschen und Gruppen arbeiten. „Ich bin sehr gerne mit Menschen unterwegs und möchte meine Arbeit im kleineren Rahmen fortsetzen.“ Daneben warten Garten, Radfahren, Schwimmen und viele Projekte rund ums neue Zuhause.

Auch für St. Jürgen blickt er zuversichtlich nach vorn. Die Zukunft des Pfarr- und Küsterhauses wird derzeit neu gedacht. „Es ist kein sinkendes Schiff“, sagt Piper. „Da wird etwas entwickelt.“ Besonders freut ihn, dass mit Pastorin Sieglinde Klie bereits eine Nachfolgerin gefunden wurde. „Ein großer Glücksfall.“

Wenn Wildrik Piper auf seine Jahre in Lilienthal und St. Jürgen schaut, klingt weder Wehmut noch Erleichterung durch. Eher Dankbarkeit. Die vergangenen zehn Jahre waren für ihn kein gerader Weg, sondern ein Geflecht aus Begegnungen, Aufgaben und Geschichten. Oder, wie er selbst sagt: „Wir hatten immer alle Hände voll zu tun mit sinnvoller Arbeit.“

Nun beginnt ein neuer Abschnitt. Der Kaffee am Morgen bleibt. Das frühe Aufstehen auch. „Ausschlafen ist nicht mein Ding“, sagt Piper. Und man glaubt ihm sofort.

Zum Abschied von Wildrik Piper

Lieber Wildrik,

Dein Abschied war bereits Thema in einer der vergangenen Sitzungen des Kirchenvorstandes und wir stellten fest: Wir lassen Dich nur sehr schweren Herzens ziehen!! Wir werden, die vielen guten Begegnungen, die wir mit Dir hatten, vermissen. Du verstehst Dich in der Kunst, ganz viele Momente spontan und mit Sprachwitz zu etwas Positivem zu machen. Und auch vor jeder Predigt kann man sich schon freuen, dass Du mindestens eine Kleinigkeit mit Augenzwinkern einstreuen und alle zum Schmunzeln animieren wirst. So stiftest Du Gemeinsamkeit, quasi Gemeinde im allerbesten Wortsinne. 

Nach zehn Jahren in Lilienthal wirst Du Dich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden und Deine positive Energie wird uns fehlen! Und ebenfalls fehlen wird uns Deine zupackende Art: Wenn es etwas zu organisieren galt, warst Du stets tatkräftig und voller Kreativität zur Stelle. So sind zum Abschied von Pastor Wildrik Piper in den vergangenen Jahren ganz viele besondere Dinge entstanden, die Deine Handschrift tragen. Musik und Kunst, Veranstaltungsformate und Spezialevents. Dabei immer alles rückgebunden in Deiner großherzigen Zugewandtheit. 

Dafür und für Deinen stets treuen Dienst im Pastorenalltag danke ich Dir im Namen der Kirchengemeinde Lilienthal ausdrücklich und herzlich!  Wir wünschen Dir Gottes Segen auf Deinem weiteren Lebensweg, möge er Dich mit Gesundheit, Mut und Zuversicht versorgen und Dir noch viele schöne Momente mit Deiner Familie schenken.

Wie schon gesagt: Schade, dass Du gehst!
Alles Gute,
Dr. Martin Heinlein
und Dein Kirchenvorstand