Neue Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt startet in Osterholz-Scharmbeck

Nachricht Osterholz-Scharmbeck , 19. Juni 2026

Johanna Glahn und Tomke Schwarz beraten Kinder, Jugendliche, Angehörige und Fachkräfte

Osterholz-Scharmbeck. Sexualisierte Gewalt geschieht nicht am Rand der Gesellschaft. Sie geschieht in Familien, Vereinen, Schulen und zunehmend auch im digitalen Raum. Mit der neuen Fachberatungsstelle Gewaltschutz für Kinder und Jugendliche – Schwerpunkt sexualisierte Gewalt hat die Diakonie Osterholz-Scharmbeck nun eine Anlaufstelle geschaffen, die Betroffene, Angehörige und Fachkräfte begleitet und unterstützt.

Die Fachberatungsstelle entstand nach dem Rückzug der bisherigen Beratungsstelle des SOS-Kinderdorfs Worpswede. Der Landkreis Osterholz schrieb die spezialisierte Beratung neu aus. Den Zuschlag erhielt das Diakonische Werk Osterholz-Scharmbeck, dass zum evangelisch-luth. Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck gehört. Seit März und Mai bilden die Kunsttherapeutin und pädagogische Fachkraft Tomke Schwarz sowie die Diplom-Sozialpädagogin und systemische Familientherapeutin Johanna Glahn das Team der neuen Einrichtung.

„Wir freuen uns, jetzt durchstarten zu können“, sagt Diakonie-Leiterin Lotta Kohlmann. Die Nachfrage nach einer unabhängigen Beratungsstelle sei deutlich geworden. „Betroffene und Fachkräfte haben klar gemacht, dass eine unabhängige Stelle benötigt wird.“

Die Beratung richtet sich an Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erlebt haben oder von ihr bedroht sind. Unterstützung erhalten auch Eltern, Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Fachkräfte aus Schulen, Kindertagesstätten, Vereinen und anderen Einrichtungen.

„Wir sind da für Kinder und Jugendliche, für betroffene Familien, für Fachkräfte, Vereine und Lehrkräfte“, sagt Tomke Schwarz. „Wir wollen Orientierung und Unterstützung geben und Sichtbarkeit schaffen.“

Johanna Glahn betont die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit. „Sexualisierte Gewalt ist ein Tabuthema. Dabei ist sie kein Randphänomen. Sie ist Realität.“ Studien zeigten, wie häufig Kinder und Jugendliche Gewalt erleben oder miterleben. Gleichzeitig gehe die Dunkelziffer nach Einschätzung der Fachleute noch weit darüber hinaus.

Die neue Fachberatungsstelle bietet keine Therapie an. Sie berät, begleitet und vermittelt weitere Hilfen. Gespräche sind persönlich, telefonisch oder schriftlich möglich. Auf Wunsch bleibt die Beratung anonym.

Ein wichtiger Teil der Arbeit liegt in der Prävention. Die Fachstelle plant Workshops, Informationsveranstaltungen und Fortbildungen. Dabei geht es um Aufklärung, Schutzkonzepte und die Frage, wie Kinder und Jugendliche Grenzen wahrnehmen und Hilfe suchen können.

„Das ist kein Petzen. Das ist Hilfe holen“, sagt Glahn.

Tomke Schwarz erlebt immer wieder, dass die Verantwortung bei jungen Menschen gesucht wird. „Warum hast du nichts gesagt? Warum hast du es nicht gemeldet? Solche Fragen kommen schnell. Die Erwachsenen stehen in der Verantwortung und die Jugendlichen müssen gestärkt werden.“

Besonders aufmerksam verfolgen die beiden Fachberaterinnen die Entwicklungen im digitalen Raum. Sexualisierte Gewalt verlagert sich zunehmend auf Smartphones und soziale Netzwerke.

„Deepfakes öffnen noch einmal ein ganzes Feld“, sagt Schwarz. „Digitale sexualisierte Gewalt beschäftigt uns sehr.“

Auch Johanna Glahn sieht neue Herausforderungen. „Die Zugänge für Täter werden immer leichter gemacht. Kinder und Jugendliche sind offen für neue Kontakte.“

Die Beratungsstelle setzt deshalb auf ein breites Netzwerk. Bereits jetzt arbeiten die Mitarbeiterinnen mit Fachstellen im Landkreis, in Bremen sowie darüber hinaus zusammen. Der Austausch mit erfahrenen Beratungsstellen in Hamburg, Hannover und Münster gehört ebenfalls dazu.

Für ihre Arbeit stehen den Fachberaterinnen unterschiedliche Räume zur Verfügung. Neben den Räumen der Diakonie in Osterholz-Scharmbeck nutzen sie auch das Anderland in Pennigbüttel, das Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche.

„Dort finden Kinder und Jugendliche eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen“, sagt Kohlmann. Es gebe Platz zum Reden, zum Spielen und zum Rückzug – je nachdem, was die jungen Menschen in ihrer Situation benötigen.

Die Fachberatungsstelle orientiert sich an den Qualitätsstandards der Bundeskoordinierung spezialisierter Fachstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend. Fortbildungen, Supervisionen und externe Beratung gehören von Beginn an zum Konzept.

Die ersten Beratungsfälle gibt es bereits. „Der Betrieb läuft schon“, sagt Glahn.

Beratungstermine können ab sofort vereinbart werden. Die Fachstelle bietet dienstags von 9 bis 11 Uhr, mittwochs von 15 bis 16 Uhr sowie freitags von 9 bis 11 Uhr telefonische Sprechstunden an und ist an fünf Tagen in der Woche besetzt. Ansprechpartnerinnen sind Johanna Glahn und Tomke Schwarz. Die Beratungsstelle ist telefonisch unter 04791 80640 sowie per E-Mail an gewaltschutzberatung.dw.osterholz-scharmbeck@evlka.de erreichbar.