Abschied mit Segen und Aufbruch nach Athen

Nachricht Osterholz-Scharmbeck, 03. Juli 2026

Gottesdienst zur Verabschiedung von Friederike Köhn und Henning Mahnken

Friederike Köhn und Henning Mahnken lauschen ihrer Band bei "Ein Hoch auf uns"

Die Bänke reichten nicht aus, als am Sonntag der Gottesdienst in der St.-Willehadi-Kirche in Osterholz-Scharmbeck für Friederike Köhn und Henning Mahnken begann. Das Pastorenehepaar verlässt Osterholz-Scharmbeck und übernimmt ab September für drei Jahre gemeinsam eine Pfarrstelle in der deutschen evangelischen Gemeinde in Athen.

Henning Mahnken begann den Gottesdienst so, wie viele ihn in St. Willehadi kennen: „Moin zusammen.“ Dann sah er in die volle Kirche und sagte: „Trotz der Hitze seid ihr hier. Danke, das wissen wir sehr zu schätzen.“ Friederike Köhn gab offen zu: „Es hört sich merkwürdig an, den eigenen Gottesdienst zur Verabschiedung zu leiten. Gestern waren wir noch voll im Programm und heute soll es enden.“

Ganz zu Ende war es noch nicht. Zunächst prägten Musik, Gebet und eine gemeinsame Predigt den Gottesdienst. „Mir ist nach Lob“, sagte Mahnken vor Psalm 146. „Daher ein Lobpsalm.“ Der Posaunenchor, die Orgel und die Gemeinde füllten den Raum. Mal trugen die Bläser, mal die Orgel, mal beide zusammen das Lied „Lobe den Herren“. Was für ein Klang, bei dem Abschied und Dank nebeneinander Platz fanden.

In ihrer Predigt blickten Köhn und Mahnken auf ihren Weg nach Osterholz-Scharmbeck zurück. Köhn erinnerte sich an die Stellenausschreibung, die sie damals las. Ein Satz blieb hängen: „Unsere Kirche steht mitten auf dem Marktplatz.“ Sie befand sich noch im Probedienst und durfte sich nicht bewerben. Trotzdem blieb der Gedanke.

Auch Mahnken erzählte von einem ersten verpassten Anlauf. Er war im Urlaub, die Bewerbungsfrist lief fast ab, und auf seine Nachfrage hörte er: „Die Stelle ist so gut wie weg.“ Ein Jahr später war sie wieder frei. 2021 kam er nach St. Willehadi. „Das hat was, wenn die Kirche mitten im Ort steht“, sagte er. „Da kann man mit vielen unterwegs sein.“ Mit dem Talar über dem Arm und der Mappe in der Hand sei er zur Kirche gegangen und habe Bekannte im Eiscafé getroffen. Auch in der Kirche sei immer viel los gewesen. „So viele Gruppen und Kreise.“

Köhn kam 2022 dazu, zunächst über den Umweg eines Schulpastorats. Später übernahm sie die Pfarrstelle 4. „Und was haben wir hier gehandelt“, sagte sie. Sie erinnerte an die Gründung der Gesamtkirchengemeinde, an viele Gespräche, neue Zuständigkeiten und an Menschen, die mitgedacht haben. Eine Kirchengemeinde benötige Leidenschaft, sagte sie. Wie auf einem Marktplatz. Dort werde gearbeitet, geredet, gefeiert und gerungen.

Mahnken griff den Gedanken auf. Ziele veränderten sich, Vertrautes gehe verloren, und nicht alles werde besser. Dann sagte er einen Satz, der über den Abschied hinausreichte: „Haltet fest an der Hoffnung.“ Hoffnung unterscheide sich von Optimismus. Sie trage auch dann, wenn der Weg noch nicht klar sei.

Köhn ergänzte: „Lasst uns aufeinander achthaben.“ Zu sehen, wenn jemand Hilfe benötigt, gehöre zu den wichtigen Aufgaben der Kirche. Mahnken sagte, er habe hier viele Menschen erlebt, die genau das tun. Menschen, die Zeit, Kraft und Geduld einbringen. „Das bleibt auch für die Zukunft wichtig.“

Am Ende der Predigt stand noch einmal der Marktplatz. Für Köhn war das mehr als ein Bild für die Lage der Kirche. „Kirche gehört mitten ins Leben“, sagte sie. Dorthin, wo gearbeitet und gefeiert wird. Die Zukunft hänge nicht nur an Gebäuden und Zahlen. Sie hänge an Hoffnung, an Ermutigung und daran, was Menschen einander zutrauen.

Die stellvertretende Superintendentin Birgit Spörl übernahm anschließend die Verabschiedung. „Jetzt wird’s ernst“, sagte sie. Es gehe um Abschied, aber trotzdem weiter. Drei Stichworte stellte sie in den Raum. Das erste war „vermissen“. „Wir werden euch vermissen“, sagte Spörl. Zugleich sprach sie von Freude. Freude darüber, dass Köhn und Mahnken von Anfang an da gewesen seien, mit Ideen, Tatkraft und Nähe zu den Menschen.

Spörl blickte auf die vergangenen Jahre zurück. „Was für eine Fülle in diesen Jahren“, sagte sie. So viele Jahre seien es gar nicht gewesen. Und doch sei viel darin geschehen. Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Gottesdienste, Bauausschuss, Homepage, Gruppen, Gespräche, Vakanzen und Krankheitszeiten. Köhn und Mahnken hätten angepackt, wo es nötig war, und zugleich die Zukunft mitgestaltet.

Besonders hob Spörl hervor, dass beide bei allem Arbeiten das Feiern nicht vergessen hätten. Auch die Gesamtkirchengemeinde sei noch im Werden. „Wir sind immer noch am Bauen dran“, sagte sie. Dann sprach sie Köhn und Mahnken aus der dienstlichen Verpflichtung in der Gemeinde frei. Mit einem kleinen Schmunzeln fügte sie hinzu, sie sollten den Gottesdienst aber noch zu Ende bringen.

Zum Abschied gab es für beide ein Buchgeschenk als leichtes Gepäck für den neuen Weg. Denn der führt weit aus Osterholz-Scharmbeck hinaus. Vor ihrem Dienstbeginn in Athen steht noch ein vierwöchiger Sprachkurs auf Kreta. Altgriechisch aus dem Studium hilft im Alltag wenig. Henning Mahnken sagte vorab über die neue Aufgabe: „Was vor uns liegt, wissen wir nicht genau. Aber wir freuen uns auf das, was kommt.“

In Athen teilen sich Köhn und Mahnken die Pfarrstelle der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst weite Teile Südgriechenlands und viele Inseln, Kreta und Rhodos ausgenommen. Rund 170 Gemeindemitglieder gehören dazu. Daneben begegnen ihnen Touristen, Mitarbeitende von Botschaften und deutschsprachige Menschen, die in Griechenland leben.

Die Grußworte im Gottesdienst zeigten, was Köhn und Mahnken in Osterholz-Scharmbeck hinterlassen. Wolfgang Pilz, Vorsitzender des Ortskirchenvorstandes St. Willehadi, griff Mahnkens „Moin zusammen“ auf. Diese Begrüßung habe er eingebracht, sagte Pilz. Dann nannte er Friedhöfe, Gemeindemagazin und Mahnkens breites Wissen. „Alles aufzählen geht gar nicht.“ Manchmal habe es gewirkt, als habe Mahnken einen Speicherchip implantiert.

Pilz zitierte Hermann Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Für die Gemeinde halte sich dieser Zauber allerdings in Grenzen, sagte er. „Ihr geht.“ Dann dankte er beiden persönlich und im Namen der Gemeinde. „Tschüss ihr beiden, macht es gut.“

Die Dienstbesprechung verabschiedete sich auf ihre Weise. Pastorinnen, Pastoren und Diakone sangen „Griechischer Wein“ mit angepasstem Text. Der musikalische Gruß nahm den neuen Dienstort auf und trug den Abschied einen Moment lang leichter, ohne ihn kleinzumachen.

Auch die Stadt Osterholz-Scharmbeck sagte Dank. Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Sass sprach von zwei besonderen Menschen. Es sei nicht leicht, sie gehen zu lassen. Er habe Köhn und Mahnken als Seelsorger und Wegbegleiter in allen Lebenslagen erlebt. Auch ihre plattdeutsche Sprache habe er wertschätzen gelernt.

Aus der Jugendarbeit kamen ebenfalls deutliche Worte. Köhn und Mahnken seien sehr aktiv gewesen und hätten viel unterstützt, hieß es. Es gebe zu viele Geschichten, um sie alle aufzuzählen. „Ihr wart ständig unterwegs und doch immer erreichbar für uns“, sagten die Jugendlichen. Sie dankten für Zeit, Geduld und Ehrlichkeit. Und für einen Satz, der offenbar hängen geblieben ist: „Hau rein, Digga.“

Zum Schluss spielte die Band Moinsen, in deren Mitte Henning Mahnken künftig fehlen wird, „Ein Hoch auf uns“. Es passte zu diesem Gottesdienst. Denn der Abschied blieb nicht bei Wehmut stehen. Er zeigte, was in den vergangenen Jahren gewachsen ist: Beziehungen, Vertrauen, Arbeit, die Spuren trägt.

Friederike Köhn hatte es vor dem Abschied so beschrieben: „Das Loslassen ist nicht einfach. Die Menschen hier sind uns ans Herz gewachsen.“ Zugleich sei die neue Stelle beruflich und privat eine große Chance. In St. Willehadi war an diesem Sonntag beides zu spüren. Das Loslassen. Und der Segen für den Aufbruch.