"Und das war ich gerne"

Nachricht Osterholz-Scharmbeck , 04. September 2026

Sommerfest im Anderland wird zum Abschied von Pastor Gerd Rühlemann

Von Sommerwetter war zunächst wenig zu spüren. Heftige Regenschauer drängten die Gäste des Anderland-Sommerfestes in die Räume am St.-Willehadus-Weg in Pennigbüttel. Dort wurde es eng. Viele waren gekommen, um gemeinsam zu feiern und vor allem einen zu verabschieden: Pastor Gerd Rühlemann.

13 Jahre lang gehörte er zum Anderland, dem Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck. Nun endet seine Zeit dort. Zwischen Kaffee, Pizza, Gesprächen und viel Glitzer wurde deutlich, welche Spuren er hinterlässt.

Beate Alefeld-Gerges, Gründerin des Trauerlands in Bremen, beschrieb Rühlemann anhand der Buchstaben seines Vornamens: gelassen, empathisch, Rückhalt gebend und da sein. Seit zehn Jahren arbeiten Trauerland und Anderland zusammen. „Ich habe dich immer um deine Gelassenheit beneidet“, sagte sie. Rühlemann habe sich auf Menschen und ihre Situationen eingelassen und Familien Rückhalt gegeben. „Du bist da zum Aushalten, zum Innehalten.“

Auch die Ehrenamtlichen griffen die Idee auf. Meike Helmke fand für Rühlemann das Wort „WORT“: wertvoll, offen, respektvoll und toll. Sie kennt ihn seit den Anfängen seiner Arbeit im Anderland. „Du hast ganz viel gegeben. Wir haben viel gelernt, auch viel über uns selbst.“ Als Erinnerung überreichten die Ehrenamtlichen einen Wünschebaum und einen Korb für einen gemütlichen Abend.

Geschäftsführerin Lotta Kohlmann richtete den Blick auf das, was Anderland ausmacht. Es sei ein Ort, an dem Trauer gelebt werde, ohne fertige Antworten und ohne Rezepte. Ein Ort, an dem Menschen in ihrer Trauer auch fröhlich sein dürfen. Rühlemann habe dafür Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung gegeben.

Für ihn selbst begann die Geschichte mit einem Besuch im Trauerland in Bremen. „Ich habe gleich gedacht: Wie wunderbar. Diese Empathie, diese Wertschätzung. Das ist so gut, das könnte mein Platz sein.“ Seine damalige Frau, die frühere Superintendentin Jutta Rühlemann, habe ihn schließlich gefragt, ob die Stelle etwas für ihn sei. „Es war die richtige und wichtige Stelle.“

Rühlemann erinnerte an seinen Vorgänger Matthias Schmidt und an Bianca Schulz, mit der er zuletzt im Anderland arbeitete. Er dankte ebenso den Ehrenamtlichen. Gerade sie seien für ihn ein Grund gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. „Die sind alle so unterschiedlich wie die Kinder“, sagte er.

Bianca Schulz führt die Arbeit derzeit weiter. Die zweite Stelle ist ausgeschrieben. Den Übergang nehme sie gelassen, sagte sie: „Du und Matthias habt mich hier so gut aufgenommen, dass ich ganz entspannt bleiben kann, obwohl ich jetzt hier den Hut aufhabe.“

Dass Anderland mehr ist als ein Ort für traurige Stunden, brachte Rühlemann bei seinem Abschied noch einmal auf den Punkt. „In der Trauer ist alles traurig? Nein. Es ist anders.“ Genau deshalb passe der Name Anderland für ihn so gut.

Wie viel dieser Ort Kindern bedeuten kann, zeigte ihm einmal die Antwort eines Mädchens. Bei der Frage, was sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde, schrieb sie: „Das ganze Anderland.“

Eine andere Erinnerung nahm Rühlemann ebenfalls mit. Ein Kind hatte ein Bild gemalt, auf dem zunächst nur Gekritzel zu erkennen war. Auf seine Frage, was es darstelle, kam die Antwort: „Das bist du, Gerd.“

Rühlemann lächelte bei dieser Erinnerung. „Und das war ich gerne.“

Ganz ohne eigenes Geschenk wollte er sich nicht verabschieden. Im Anderland bleibt ein „laufendes A“, eine Art gemeinsames Geschicklichkeitsspiel. Mehrere Menschen halten bunte Bänder und versuchen zusammen, das A zu bewegen.

Ein passendes Bild für Anderland. Es braucht viele Menschen, die die Fäden halten. Und selbst dann darf es manchmal wackeln.