Eigentlich begann alles mit einem einfachen Satz ihrer älteren Schwester: „Komm mal mit.“ Rieka Fuhrig-Heuwinkel ging mit – zum Kindercamp der Evangelischen Jugend in Stotel. Sie blieb dabei. Heute, viele Jahre später, arbeitet die 36-Jährige selbst als Diakonin mit Kindern und Jugendlichen. Seit dem 1. Februar ist sie in der Gesamtkirchengemeinde Worpswede, Grasberg und Hüttenbusch tätig.
Am Sonntag, 13. September, wird Fuhrig-Heuwinkel um 14 Uhr in der Grasberger Kirche offiziell in ihr Amt eingeführt. Damit endet auch sichtbar eine längere Vakanz. Rund eineinhalb Jahre war die Stelle nicht besetzt.
Fuhrig-Heuwinkels eigener Weg in die kirchliche Arbeit begann früh. Ihre zehn Jahre ältere Schwester Svenja Heuwinkel nahm sie mit zur Evangelischen Jugend. Nach der Konfirmation half sie in Kindergruppen und bereitete Kindergottesdienste mit vor. Kirche wurde für sie zu einem Ort, an dem Gemeinschaft, Glaube und Freundschaften zusammenkamen.
Nach dem Abitur schlug sie zunächst einen anderen Weg ein und ließ sich bei der Gemeinde Loxstedt zur Verwaltungsfachangestellten ausbilden. Danach folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kirchenkreis Wesermünde. Dort leitete sie bereits Projekte mit Kindern und arbeitete im Konfirmandenunterricht mit.
„Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt sie rückblickend. Aus der Erfahrung entstand die Idee, beruflich stärker mit jungen Menschen zu arbeiten.
Besonders verbunden ist sie bis heute mit der „Flotte“, einer großen Konfirmanden-Segelfreizeit des Kirchenkreises Wesermünde auf dem Ijsselmeer. Fuhrig-Heuwinkel gehörte dort viele Jahre zum Team und kümmerte sich häufig um die Versorgung. „Wir waren das Versorgungsschiff und haben die Supermärkte leer gekauft“, erinnert sie sich.
Aus dieser Zeit nimmt sie auch eine Idee für ihre neue Stelle mit. Fuhrig-Heuwinkel möchte Angebote für junge Ehrenamtliche schaffen, die bei Freizeiten und Aktionen oft viel Verantwortung übernehmen. Eine gemeinsame Freizeit oder eine Segeltour könnte ihnen Gelegenheit geben, selbst einmal abzuschalten.
Nach einem Studienjahr in Vechta wechselte Fuhrig-Heuwinkel nach Hannover. Dort studierte sie Religionspädagogik und Soziale Arbeit. Ihr Anerkennungsjahr absolvierte sie in der Kirchengemeinde Loxstedt und in der Jugendpflege Loxstedt. Es folgten unterschiedliche berufliche Stationen, unter anderem bei privaten Trägern, in der Jugendpflege Schiffdorf, als Leiterin einer Kinderkrippe und in der Verwaltung eines Altenheims.
Die Corona-Zeit fiel mitten in diese Jahre. Gerade in der Jugendpflege habe sie erlebt, wie schwierig die Arbeit plötzlich wurde. „Zu der Zeit war es schwer, Kontakte aufzubauen.“
Später kehrte sie als Diakonin in die kirchliche Arbeit zurück. In Loxstedt, Stotel und Büttel gehörten Konfirmandenarbeit, das Kindercamp in Stotel, die Ausbildung von Gruppenleitungen und erneut die Flotte zu ihren Aufgaben. Die Stelle war allerdings nur als Elternzeitvertretung ausgeschrieben. „Sonst wäre ich gerne dageblieben“, sagt Fuhrig-Heuwinkel.
Also suchte sie nach einer neuen Aufgabe in erreichbarer Nähe – und fand die freie Stelle in Worpswede, Grasberg und Hüttenbusch. Dort arbeitet sie heute in Vollzeit. Einen Schwerpunkt bildet die Konfirmandenarbeit, die auch von den Pastorinnen und Pastoren begleitet wird.
Viel Zeit zum langsamen Eingewöhnen blieb nicht. Fuhrig-Heuwinkel war bereits beim Konficamp in Offendorf bei Lübeck dabei. Der Ort war ihr vertraut: Vor rund 20 Jahren hatte sie dort selbst ihre Juleica-Ausbildung absolviert.
„Es hat sich nicht viel geändert“, sagt sie. Beim diesjährigen Thema „Zeitreise“ sei allerdings eine besondere Situation entstanden: „Wir hatten tolles Wetter und viel Spaß. Es war schon komisch, bei 30 Grad Weihnachten zu feiern.“
Auch bei der Kinderferienkirche unterstützte sie ihre Kollegin, Kirchenkreisjugendwartin Janna Eckert. Eine Woche fand das Angebot in Schwanewede statt, eine weitere in Grasberg. In Schwanewede nahmen rund 30 Kinder teil, in Grasberg zwölf. Dort stand das Thema „Klangwelten“ im Mittelpunkt. Die Kinder besuchten die Bremer Philharmoniker und machten gemeinsam Musik.
Erste eigene Projekte mit Konfirmandinnen und Konfirmanden laufen ebenfalls. Dazu gehörten ein Spielenachmittag im Altenheim mit Pastorin Lena Klemme und der Besuch eines Bestattungsinstituts. Auch eine bestehende Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund gehört zum Programm.
Für die kommenden Monate setzt Fuhrig-Heuwinkel bewusst nicht auf einen fertigen Masterplan. Zunächst will sie die drei Gemeinden, die Menschen und die vorhandenen Strukturen genauer kennenlernen. Danach soll die Jugendarbeit Schritt für Schritt wachsen.
Eine Idee ist bereits konkreter. Gemeinsam mit Diakonin Sandra Rudat aus Wilstedt und Tarmstedt möchte Fuhrig-Heuwinkel einen Traineekurs für frisch Konfirmierte anbieten. Gedacht ist er für Jugendliche, die sich engagieren wollen, für eine Juleica-Ausbildung aber noch zu jung sind.
Auch die Konfirmandenarbeit könnte sich weiterentwickeln. Derzeit findet der Unterricht in Grasberg, Worpswede und Hüttenbusch jeweils etwa alle vier Wochen für drei Stunden statt. Über gemeinsame Gruppen und wechselnde regionale Unterrichtsorte wird nachgedacht. Noch, sagt Fuhrig-Heuwinkel, sei das Zukunftsmusik und hänge auch von den jeweiligen Jahrgangsgrößen ab.
Außerhalb ihrer Arbeit bleibt Musik ein wichtiger Teil ihres Lebens. Seit über zwanzig Jahren singt sie im Gospelchor „Joyful Voices“ in Stotel, spielt Trommel und Cajón, fotografiert und macht Yoga. Für ihren Sportverein in Loxstedt übernimmt sie zudem die Öffentlichkeitsarbeit, betreut die Internetseite und gestaltet die Vereinsbroschüre.
Nun steht zunächst ihre offizielle Einführung an. Der Gottesdienst beginnt am Sonntag, 13. September, um 14 Uhr in der Grasberger Kirche. Anschließend lädt die Gesamtkirchengemeinde zum Beisammensein ins Gemeindehaus ein. Im selben Gottesdienst wird auch Diakonin Nadia Paul eingeführt, die im Kirchenkreis Osterholz-Scharmbeck das Projekt „Wolke3“ verantwortet.


