Beim „Letzte Hilfe“-Kurs des Diakonischen Werkes lernten 13 Teilnehmende, wie sie Menschen am Lebensende begleiten können. Für Teilnehmerin Heidi Albrecht war dabei eine Erkenntnis besonders wichtig: Oft braucht es weniger Wissen als den Mut, einfach da zu sein.
Wie verhält man sich, wenn ein Mensch stirbt? Was hilft am Lebensende? Und kann man dabei etwas falsch machen? Mit solchen Fragen kam Heidi Albrecht zum „Letzte Hilfe“-Kurs des Ambulanten Hospizdienstes. Der Kurs fand im Rahmen der Diakoniewoche in den Räumen des Diakonischen Werkes in Osterholz-Scharmbeck statt und wurde von Bettina Szlagowski und Beate Elsken geleitet.
13 Frauen und Männer nahmen daran teil. Heidi Albrecht hatte keine Erfahrung in der Hospizarbeit. Das Thema beschäftigte sie dennoch. „Ich habe gleich an Erste Hilfe gedacht“, erzählt die 66‑Jährige. Während Erste-Hilfe-Kurse für viele Menschen selbstverständlich seien, gebe es beim Sterben oft große Unsicherheit.
Bei ihr kam ein persönlicher Grund hinzu. In ihrem näheren Umfeld hatte es im vergangenen Jahr einige Todesfälle gegeben. „Ich wollte wissen, ob ich bei dem, was ich miterlebt habe, alles richtig gemacht habe.“ Genau mit solchen Fragen beschäftigt sich die „Letzte Hilfe“.
Der Kurs vermittelt an einem Vormittag Grundlagen zur Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen. Das Konzept wurde 2008 entwickelt und versteht sich als Gegenstück zur Ersten Hilfe. Es soll Wissen vermitteln, das früher stärker zum Alltag gehörte. Zugleich geht es darum, Ängste abzubauen und Menschen Sicherheit im Umgang mit Sterbenden zu geben. Bettina Slagowski: „Wir möchten mit dem Kurs erreichen, dass das Thema enttabuisiert wird, damit Sterben und Trauer wieder als ganz natürlicher Teil des Lebens angesehen werden.“
Vier Bereiche bestimmen den Kurs. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit dem Sterben als Teil des Lebens, mit Vorsorge und Entscheidungen, mit dem Lindern von Beschwerden und mit dem Abschiednehmen. Dabei geht es auch um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sowie um hospizliche und palliative Hilfsangebote.
Ebenso wichtig sind ganz praktische Fragen. Was verändert sich bei einem Menschen im Sterbeprozess? Was kann bei Mundtrockenheit helfen? Wann tut eine Berührung gut? Und wann benötigt ein Mensch vor allem jemanden, der zuhört oder einfach neben ihm sitzt?
Gerade dieser praktische Blick blieb Heidi Albrecht in Erinnerung. „Hier konnte jeder mit seinen Fragen andocken“, sagt sie. Auch kleine Hinweise seien hilfreich gewesen. Eine Hand müsse etwa nicht selbstverständlich auf die Hand eines Sterbenden gelegt werden. Manchmal sei es angenehmer, die eigene Hand behutsam unterzuschieben.
Als hilfreich empfand sie auch die Offenheit innerhalb der Gruppe. Trotz unterschiedlicher Erfahrungen hat alle ein gemeinsames Thema verbunden. „Ich bin alle meine Fragen losgeworden“, sagt Albrecht. Der kompakte Kurs an einem Vormittag sei dafür genau richtig gewesen.
Die Kursleitung bezieht die Teilnehmenden bewusst ein. Die Kurse werden von zwei geschulten Personen geleitet, mindestens eine davon kommt aus dem medizinischen oder pflegerischen Bereich. Neben den körperlichen Veränderungen geht es auch um soziale, seelische und spirituelle Bedürfnisse am Lebensende. Angehörige, Freunde und Nachbarn sollen erfahren, was sie selbst tun können und wo professionelle Hilfe unterstützt.
Für Heidi Albrecht hat sich dabei auch ihre Frage vom Beginn geklärt. Entscheidend sei nicht, für jede Situation die perfekten Worte oder Handgriffe zu kennen. „Falsch wäre, nichts zu machen und sich aus der Situation zu verabschieden“, sagt sie. Viel wichtiger sei es, aufmerksam zu bleiben und wahrzunehmen, wie der andere auf Nähe und Unterstützung reagiert.
Diese Haltung gelte auch für Menschen, die jemanden verloren haben. „Mut haben und hingehen“, fasst Albrecht zusammen. Man müsse keine klugen Sprüche parat haben. Ein schlichtes „Ich bin da“ könne viel bedeuten.
Auch mit dem eigenen Lebensende beschäftigte sie sich während des Kurses. „Mit dem Tod kommt jeder in Berührung“, sagt sie. „Ich bin jetzt 66 Jahre alt. Da kann man den Tod nicht mehr ausblenden.“ Für sie hat der Vormittag deshalb nicht nur Wissen vermittelt. Er hat auch geholfen, die Scheu vor einem Thema zu verlieren, das zum Leben gehört. Albrecht kann daher nur empfehlen an diesem Kurs teilzunehmen.
Der Kurs „Letzte Hilfe“ wird zweimal im Jahr angeboten. Zudem sind Szlagowski und Elsken in Kirchengemeinden und gemeinnützigen Vereinen, wie zum Beispiel bei den Kümmerern in Hambergen, unterwegs, um dort ihren Hospizdienst und die hospizliche Arbeit vorzustellen.


